16 Jahre nach seiner Flucht kehrt Thomas Mann 1949 erstmals nach Deutschland zurück. Gemeinsam mit seiner Tochter Erika reist er durch ein Land zwischen amerikanischer und sowjetischer Besatzung – und begegnet einer Gesellschaft, die lieber nach vorne blickt, als sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Paweł Pawlikowski macht daraus ein ebenso elegantes wie schmerzhaftes Roadmovie über Schuld, Heimat und die Frage, ob eine vollständige Rückkehr der Manns unter den gegebenen Umständen überhaupt möglich war.
VATERLAND – Thomas Mann im Land der Täter
VATERLAND | SYNOPSIS
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begeben sich Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter, die Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin Erika (Sandra Hüller), auf eine Reise durch ein Deutschland in Trümmern – von Frankfurt in der amerikanischen Besatzungszone bis ins sowjetisch kontrollierte Weimar. Zum Goethe-Jubiläum wünscht man sich auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze Worte des Trostes, der Zustimmung und der Vergebung vom grössten aller Erzähler. Zwischen euphorischen Wagner-Erben und literarisch versierten Generälen wird Deutschlands wichtigster Schriftsteller hofiert und manchmal auch beschimpft, während das Drama seiner eigenen Familie leise eskaliert. Es ist das erste Mal seit dem Krieg, dass Thomas Mann in sein Heimatland zurückkehrt, aus dem er einst ins Exil geflohen war. Eine Reise in die verwundete deutsche Seele, die heilen soll – sie wird für Erika und den Zauberer, wie seine Kinder Thomas Mann oft nannten, zu einer Reise ins Innerste.

Zurück in einem fremd gewordenen Land
Deutschland, 1949. Der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann (Hanns Zischler) kehrt gemeinsam mit seiner Tochter Erika (Sandra Hüller) in jenes Land zurück, das die Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlassen hatte. In einem schwarzen Buick führt ihre Reise vom amerikanisch kontrollierten Frankfurt bis ins sowjetisch besetzte Weimar. Thomas Mann soll geehrt werden – und plötzlich wollen alle etwas von ihm: Worte des Trostes, der Versöhnung, vielleicht sogar der Absolution. Doch wie begegnet man einem Land, aus dem man vertrieben wurde? Und wie viel Vergebung darf eine Gesellschaft erwarten, die sich nach der Katastrophe bereits wieder neu eingerichtet hat? Pawlikowski interessiert nicht primär die historische Monumentalität sondern die Zwischentöne. Blicke, Gesten und Begegnungen erzählen von einem Deutschland, in dem die Vergangenheit überall präsent ist, auch wenn kaum jemand darüber sprechen möchte.
Die Manns und ihre Wunden
Im Zentrum steht dabei nicht nur der berühmte Schriftsteller, sondern ebenso seine Familie. Sandra Hüller spielt Erika Mann als kluge, wachsame und ihrem Vater eng verbundene Begleiterin. August Diehl verkörpert Klaus Mann, der noch radikaler als Vater und Schwester mit der Frage ringt, wo für die Vertriebenen überhaupt noch Heimat sein kann. Seine bitter zugespitzte Alternative «Stalin oder Micky Mouse» bringt die ideologische Enge der beginnenden Blockkonfrontation auf den Punkt. So verbindet VATERLAND das politische Panorama mit einem intimen Familiendrama. Die grossen Fragen nach Schuld, Identität und Verantwortung spiegeln sich in persönlichen Verletzungen, Loyalitäten und Enttäuschungen. Und hinter der öffentlichen Figur Thomas Mann wird ein Vater sichtbar, dessen Familie einen hohen Preis für Exil, Ruhm und Geschichte bezahlt hat.
Pawlikowski bleibt sich treu
Nach IDA und COLD WAR richtet der polnische Regisseur Paweł Pawlikowski seinen Blick erneut auf ein Europa, dessen Biografien von politischen Systemen zerrissen wurden. In streng komponierten Schwarz-Weiss-Bildern entwickelt er einen gerade einmal 82 Minuten langen Film, der historische Dimension nicht durch Pathos, sondern durch Verdichtung gewinnt. Für seine Inszenierung von VATERLAND wurde Pawlikowski beim Festival de Cannes 2026 mit dem Preis für die beste Regie ex aequo ausgezeichnet. Getragen wird der Film von einem hochkarätigen Ensemble um Hanns Zischler, Sandra Hüller und August Diehl.

