Während sich Ende der 1990er-Jahre in Prishtina der Krieg ankündigt, steht Dua an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Regisseurin Blerta Basholli verbindet in ihrem zweiten Spielfilm die Unsicherheiten der Pubertät mit der zunehmenden Gewalt einer Gesellschaft, die auseinanderzubrechen droht. Ein eindringlicher Coming-of-Age-Film über das Erwachsenwerden in einer Welt, in der für kindliche Unbeschwertheit immer weniger Platz bleibt.
DUA – Jugend und Krieg
Blerta Basholli erzählt vom Kosovo-Konflikt aus der Perspektive eines 13-jährigen Mädchens, das seinen Platz im Leben sucht.
DUA | SYNOPSIS
Prishtina, Kosovo, Ende der 1990er-Jahre. Während der Krieg näher rückt und die ethnischen Spannungen eskalieren, ringt die 13-jährige Dua darum, ihren Platz unter Gleichaltrigen – und in ihrem sich wandelnden Körper – zu finden. Nach einem Vorfall, der ihre Gemeinschaft erschüttert, gerät sie selbst ins Visier. Sie freundet sich mit der furchtlosen Maki an, die sie zu einer unerwarteten Form des Widerstands hinzieht. Zwischen allgegenwärtiger Gewalt und der wachsenden Bedrohung des Exils bleibt kaum Raum für leise, persönliche Aufbrüche.

DUA | REZENSION
Für uns hat Madeleine Hirsiger den Film gesehen.
Es sind oft kleine, intime Geschichten, die grosse Ereignisse zu erklären versuchen, damit sie verständlich werden. So ein Film ist «DUA», der die kriegerischen Handlungen, die in den 1990er-Jahren im Kosovo stattgefunden haben, anhand einer Familie thematisiert. Diese wohnt in einem kleinen Dorf im Kosovo, und die Hauptfigur ist die 13-jährige Dua, die zwei Geschwister hat.
Die ersten Schmetterlinge
Die erste Szene ist von Fröhlichkeit durchdrungen. Junge Mädchen finden sich auf der Toilette ein, während im grossen Saal Partystimmung mit lauter Musik herrscht. Man macht sich frisch, redet über die Jungs: Wer gefällt dir? Hast du gemerkt, wie der dich anschaut? Hast du schon mal geküsst? Die ersten Schmetterlinge im Bauch machen sich bemerkbar. Doch die Polizei macht der Party ein jähes Ende. Die jungen Menschen werden vertrieben, versuchen zu fliehen, das Klima ist gewalttätig. Diese allgegenwärtig lauernde Gefahr lässt einen nicht mehr los und zieht sich durch den ganzen Film. Denn der aufkommende Terror von serbischer Seite versetzt die albanische Bevölkerung in Angst und Schrecken.
Immer weniger Freiheit
Auch Dua spürt, wie ihr die Freiheit zunehmend genommen wird. Der Schulweg ist nicht mehr sicher, seit ihre Schulfreundin Leonora in einem Durchgang tot aufgefunden wurde. Ein älterer Nachbar, den Dua seit Jahren kennt, bedrängt sie sexuell und warnt sie drohend: «Du solltest dich hier nicht aufhalten.» Später wird sie von einer Gruppe Jugendlicher eingekreist und als «albanische Hure» beschimpft. Eine Freundin kommt ihr zu Hilfe – sie kann Judo. Dua beginnt daraufhin selbst zu trainieren. Das gibt ihr neues Selbstvertrauen und zumindest ein Stück jener persönlichen Sicherheit zurück, die ihr die Gewalt um sie herum zunehmend nimmt. Doch die Leichtigkeit, auf die junge Menschen Anspruch haben sollten, ist dahin: Alles ist getränkt von Angst, Verfolgung, Verrat und Vertrauensmissbrauch – bis in die Schule, die schliesslich aus Sicherheitsgründen geschlossen wird. Die Auseinandersetzungen sind natürlich auch Thema in den Medien. Die Familien sitzen vor dem Fernseher, hören Radio. Es wird gegen den Krieg und den serbischen Terror im Kosovo demonstriert. Man hofft auf die Unterstützung des Westens. US-Präsident Clinton und der britische Premierminister Blair sollten eingreifen, auch die NATO.
Eine Gesellschaft fällt auseinander
Wie kann das Leben der 13-jährigen Dua und ihrer Gleichaltrigen in einem Umfeld voller ethnischer Spannungen weitergehen, in dem alles auseinanderfällt und der Zusammenhalt einer Gesellschaft bedroht ist? Der Drang nach Freiheit ist gross. Die Jungen wollen ein anderes Leben und bleiben eingesperrt. Was schliesslich bleibt, ist die Flucht. Die Familien setzen sich mit dieser Konsequenz auseinander. Der Kosovo bietet keine Zukunft mehr. Aber Dua wehrt sich. Sie will – wie ihr Vater – auf keinen Fall wegziehen. Doch gibt es einen anderen Ausweg?
Die Regisseurin
Hinter diesem Film steht die 43-jährige albanischstämmige Kosovarin Blerta Basholli, die mit ihrem zweiten Spielfilm ihre eigene Situation in dieser Zeit auf die Leinwand bringt. Beim Drehbuch wurde sie von der Schweizerin Nicole Borgeat unterstützt. Basholli kommt aus Pristina, lebt aber schon lange in New York, wo sie sich auch hauptsächlich zur Regisseurin ausbilden liess. Sie habe diese Geschichte schon lange im Kopf gehabt, aber es sei schwierig gewesen, sich zurückzuerinnern. Und auch in einem Leben im Krieg gebe es immer ganz normale Dinge, die man nicht ausser Acht lassen dürfe, sagt die Regisseurin in einem Interview. Und dann sei da immer die Frage: Was lasse ich aus, was muss unbedingt erzählt werden? Viele Leute wüssten nichts über diese Zeit. Darum sei es ihr wichtig gewesen, die Geschichte nicht nur über kriegerische Handlungen, sondern auch über Gefühle und Emotionen zu erzählen, damit die Situation verständlich werde.
Fazit
«DUA» erzählt die Geschichte einer Jugend, der der Krieg die Leichtigkeit nimmt. Pinea Matoshi überzeugt als Dua, während die ruhige Handkamera und die sparsam eingesetzte Musik grosse Nähe schaffen. Ein stiller, eindringlicher Film über Angst, Freiheit und das Erwachsenwerden im Krieg.

Auszeichnung in Cannes
Nach ihrem international erfolgreichen Debüt HIVE kehrt Blerta Basholli erneut zur jüngeren Geschichte des Kosovo zurück. DUA feierte seine Weltpremiere 2026 in der Semaine de la Critique des Filmfestivals von Cannes und gewann dort den SACD-Preis.
