Das LUFF ist kein Ort für kulturelle Sicherheitszonen. Vom 14. bis 18. Oktober 2026 verwandelt das Festival das Casino de Montbenon und weitere Lausanner Spielstätten erneut in ein Labor für radikales Kino, abenteuerliche Musik und entgrenzte Performances. Zum Jubiläum verspricht das Festival nicht etwa nostalgische Rückblicke, sondern noch mehr Reibung, Exzess und lustvollen Kontrollverlust.
LUFF 2026 – Kontrollverlust ausdrücklich erwünscht
- Publiziert am 1. September 2026
Zum 25. Geburtstag treibt das Lausanne Underground Film & Music Festival seine Lust am Unberechenbaren auf die Spitze.
Seit 25 Jahren gegen die Konformität
Genres verwischen, Perspektiven verschieben, Erwartungen unterlaufen: Seit seiner Gründung kultiviert das Lausanne Underground Film & Music Festival das Unklassifizierbare. Hier treffen subversive Filme auf hypnotische Klangexperimente, improvisierte Performances auf kollektive Versuchsanordnungen. Normen werden nicht nur infrage gestellt, sondern verzerrt, verschoben und mit sichtlichem Vergnügen aus der Mitte gerückt. Noch vor der Bekanntgabe des vollständigen Programms am 16. September 2026 gibt das LUFF erste Einblicke in seine Workshops, Begegnungen und filmischen Schwerpunkte.
Lausanne wird zum Klangkörper
Die Workshops richten sich ausdrücklich nicht nur an Künstler:innen, sondern ebenso an Neugierige ohne besondere Vorkenntnisse. Die US-amerikanische Gitarristin Erica Dawn Lyle verbindet ihre Buchvernissage mit einer kollektiven Noise-Improvisation, die sich durch Lausanne bewegen soll. Ihre künstlerische Arbeit kreist um gemeinschaftlichen Widerstand, das Artensterben, den Genozid in Gaza, Polizeigewalt und Faschismus. Das Genfer Label dents de scie lädt auf der Esplanade des Casino de Montbenon dazu ein, aus tausend seltsamen Geräuschen ein gemeinsames DIY-Mixtape zu produzieren. Darunter könnten sich auch Klänge aus der 25-jährigen Geschichte des Festivals befinden. Gleichzeitig wird die Veröffentlichung der neuen Kassette von Banetoriko gefeiert. Hinter Banetoriko steht die japanische Künstlerin Tamaki Ueda. Auf der Bühne verwandelt sie sich in eine zum Schweigen gebrachte Wiedergängerin. In ihrem Workshop zeigt sie, wie sie deren vermeintliche Stimme mithilfe eines alten Metallstücks empfängt. Die belgische Künstlerin Soumaya Phéline wiederum untersucht im «Turntablism/CDJism – AWTP Lab» alternative Einsatzmöglichkeiten von Plattenspielern und unterläuft dabei bewusst die Konventionen des klassischen DJings.
Hexenkino und Anti-Establishment
Auch das Filmprogramm führt tief hinein in widerständige und halluzinatorische Kinowelten. Eine Retrospektive setzt die Wiederentdeckung des kompromisslosen Anti-Establishment-Kinos von Robert Downey Sr. mit seinen Filmen aus den 1970er-Jahren fort. Ein weiterer Fokus gilt dem mexikanischen Underground-Kino. Gezeigt werden Arbeiten von Sarah Minter sowie zeitgenössischen Filmemacher:innen. Die Regisseurin Annalisa D. Quagliata Blanco wird persönlich in Lausanne erwartet. Noch abgründiger wird es mit dem sogenannten «Witch-Cinema» des Schamanen und Filmemachers Mario Mercier. Neben dem kontroversen LA PAPESSE von 1975 präsentiert das Festival die Weltpremiere der restaurierten Fassung von LA GOULVE. Die erotisch-esoterische Erzählung aus dem Jahr 1971 war während mehr als fünf Jahrzehnten nahezu vollständig von der Bildfläche verschwunden und ist deshalb zur Legende geworden. In der Sektion LUFF EXPANDED entwickelt das Kollektiv oooo_wave für den Salle Paderewski zudem eine multisensorische Erfahrung zwischen Klangkunst, Film und Performance.
Ein Pass für die ganze Nacht
Wenn es dunkel wird, lösen sich beim LUFF auch die Grenzen zwischen Konzertsaal und Kino auf. Der bisherige Concert Pass wird zum Night Pass erweitert. Er ermöglicht ab 22 Uhr den Zugang zu den Klangperformances sowie zu sämtlichen Lang- und Kurzfilmvorführungen, die Teil des nächtlichen Programms sind. Welche Veranstaltungen der Night Pass genau umfasst, gibt das Festival gemeinsam mit dem vollständigen Programm am 16. September bekannt. Sicher ist bereits jetzt: Wer sich beim LUFF auf eine Kunstform festlegen möchte, ist am falschen Ort.