Mit THE LONELIEST MAN IN TOWN setzen Tizza Covi und Rainer Frimmel ihre langjährige Arbeit an der Schnittstelle von Dokumentarfilm und Fiktion fort. Im Zentrum steht der Wiener Bluesmusiker Alois Koch, bekannt als Al Cook, dessen reales Leben zur Grundlage einer präzisen und zutiefst menschlichen filmischen Erzählung wird. Die Mischung aus Melancholie und Humor macht den Film zu einem berührenden und lebensnahen Kinoerlebnis.
THE LONELIEST MAN IN TOWN – Leidenschaft und Einsamkeit
Ein warmherziges Porträt über einen Musiker, seinen ungebrochenen Durchhaltewillen und ein Leben, das untrennbar mit Wien verbunden ist.
THE LONELIEST MAN IN TOWN | SYNOPSIS
Al Cook lebt umgeben von seinen Erinnerungen. Seine Wohnung und sein Keller sind vollgestopft mit Büchern, Videokassetten und Schallplatten. Es ist alles, was ihm von einem Leben in vollen Zügen geblieben ist. Die Zeit scheint hier stillzustehen, während sich ausserhalb seiner vier Wände die Erde weitergedreht hat. Der Blues, die Musik, die Al alles bedeutet, gerät allmählich in Vergessenheit. Seine Heimatstadt fühlt sich nicht mehr wie ein Zuhause an, und der Verlust seiner geliebten Frau schmerzt ihn noch immer täglich. Als eine skrupellose Immobilienfirma sein Haus abreissen will, droht ihm auch dieser Rückzugsort zu entgleiten, und er steht vor den Trümmern seiner Existenz. Während er sich gezwungenermassen nach und nach von all den Schätzen seines Lebens verabschiedet, muss Al sich die Frage stellen: Wie weitermachen, wenn Erinnerungen alles sind, was ihm geblieben ist? Angesichts des drohenden Verlusts entscheidet er sich für einen radikalen Neuanfang.
Für arttv.ch hat Felix Schenker den Film im Wettbewerb der Berlinale 2026 gesehen.
Ein Musikerleben zwischen Bühne, Wohnung und Blues
Alois Koch – Künstlername Al Cook – steht selbst vor der Kamera und verkörpert keine erfundene Figur, sondern eine fiktionalisierte Version seiner eigenen Person. Der Film begleitet den Wiener Bluesmusiker zu Konzerten, Proben und Begegnungen im Alltag, zeigt ihn bei der Organisation seiner Auftritte und auf kleinen Bühnen, auf denen er mit grosser Überzeugung seine Musik lebt. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch das Räumen seiner Wohnung: Das Haus, in dem Koch geboren wurde und bis heute lebt, soll abgerissen werden. Alles, was sich über Jahrzehnte angesammelt hat, wird deshalb verkauft – darunter auch seine umfangreiche Elvis-Presley-Sammlung. Der amerikanische Superstar war ausschlaggebend dafür, dass Koch überhaupt zur Musik fand, denn bis zu seinem 15. Lebensjahr spielte Musik in seinem Leben kaum eine Rolle.
Mehr als ein Musikerporträt
Neben dem Leben von Alois Koch erzählt THE LONELIEST MAN IN TOWN noch eine zweite Geschichte: jene einer Stadt im Wandel, in der zunehmend alte Häuser verschwinden und langjährige Bewohner ihre Wohnungen verlieren. Wie sich diese Entwicklung konkret im Fall von Koch zuspitzt, soll an dieser Stelle allerdings nicht verraten werden. Äusserst witzig ist zu beobachten, mit welchen teils absurden Mitteln die Immobilienhaie versuchen, den Musiker aus seiner Wohnung zu ekeln – während Koch selbst stets höflich, ruhig und beinahe stoisch bleibt. GSpätestens in diesen Momenten zeigt sich, wie präzise Covi und Frimmel auf ihren Protagonisten eingehen: Sie stellen ihn nie bloss, sondern lassen seine Gelassenheit, seinen Humor und seine Würde ganz aus sich selbst heraus wirken. Dadurch entsteht ein ebenso komischer wie menschlicher Blick auf eine existenziell ernste Situation.
Fazit
Covi und Frimmel verdichten reale Situationen zu einem Film, der von Menschlichkeit, stillem Durchhaltewillen und feiner Heiterkeit getragen wird. Das zeigt sich auch in einer überraschenden und köstlichen Geschichte darüber, weshalb ihn seine erste Freundin einst verlassen hat – ein Ereignis, das Koch gleichermassen überraschte wie traurig machte. Aber auch dazu soll hier nicht mehr verraten werden.
