In LATE FAME erzählt Kent Jones von einem Mann, der Jahrzehnte nach seinem kurzen literarischen Aufbruch plötzlich als verkanntes Genie gefeiert wird. Die Tragikomödie nach Arthur Schnitzlers Novelle SPÄTER RUHM fragt, wie aufrichtig Bewunderung ist – und wie gefährlich es sein kann, noch einmal an die eigene Bedeutung zu glauben.
LATE FAME – Zu spät für ein zweites Leben?
LATE FAME | SYNOPSIS
Ed Saxberger, ein New Yorker in seinen Sechzigern, arbeitet seit Jahrzehnten in einem monotonen Job bei der Post. Abends trifft er sich mit seinen langjährigen Freunden zum Billard in der Stammkneipe. Eines Tages wird Ed von einem jungen Mann angesprochen, der sich als Bewunderer seiner Gedichte zu erkennen gibt. Er und seine Freund sind begeistert von einem längst vergessenen Gedichtband aus den 1970er-Jahren. Dessen Autor: Ed Saxberger. Nach anfänglichem Zögern lässt sich Ed von der Begeisterung der exzentrischen Gruppe mitreissen. Dass er für einen geplanten Leseabend ein neues Gedicht verfassen soll, hat auch mit Gloria zu tun – einer rätselhaften Schauspielerin, die den Text vortragen will.
ZUM REGISSEUR
Kent Jones war Filmkritiker, leitete das New York Film Festival und arbeitete an mehreren Dokumentarfilmen über das Kino, darunter HITCHCOCK/TRUFFAUT. LATE FAME ist nach DIANE sein zweiter fiktionaler Langfilm. Statt einer klassischen Aufstiegs- und Fallgeschichte inszeniert Jones eine melancholische und stellenweise komische Betrachtung über Alter, Ruhm, Authentizität und die Sehnsucht nach Anerkennung.

Zwischen Bewunderung und Selbstinszenierung
Wann ist Begeisterung aufrichtig, und wann wird ein Künstler lediglich zur Projektionsfläche? Kent Jones beobachtet ein Milieu, in dem Kunst, Eitelkeit und soziale Inszenierung kaum voneinander zu trennen sind. Dabei macht sich der Film weder über die junge New Yorker Kunstszene noch über den Wunsch nach Anerkennung lustig. Die Figuren mögen selbstverliebt und affektiert wirken, doch ihre Begeisterung kann dennoch echt sein. Aus dieser Ambivalenz gewinnt LATE FAME seinen leisen Humor und seine melancholische Tiefe.
Arthur Schnitzler in New York
Das Drehbuch von Samy Burch basiert auf Arthur Schnitzlers Novelle SPÄTER RUHM. Die Autorin von MAY DECEMBER verlegt die Handlung aus dem Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts ins heutige New York. Die zentralen Fragen der Vorlage bleiben aktuell: Was ist ein künstlerisches Leben wert, wenn die Anerkennung ausbleibt? Und lässt sich eine vermeintlich verpasste Karriere Jahrzehnte später noch einmal aufnehmen? Aus Schnitzlers literarischem Zirkel wird ein zeitgenössisches Künstlermilieu, in dem kulturelles Kapital, Selbstvermarktung und die Suche nach Authentizität eng miteinander verbunden sind.
