Regisseur Pierre Salvadori entführt das Publikum in seinem Film LA VÉNUS ÉLECTRIQUE in die schillernden Kulisse des Paris der 1920er-Jahre und entfaltet eine raffinierte Geschichte voller Verwechslungen, Sehnsüchte und überraschender Wendungen. Im Zentrum steht eine junge Schaustellerin, die sich als Medium ausgibt und einem erfolgreichen Maler vorgaukelt, mit seiner verstorbenen Ehefrau kommunizieren zu können. Während sie ihm hilft, seine kreative Krise zu überwinden, verliebt sie sich ausgerechnet in den Mann, den sie täuscht – und wird so zur Sprecherin ihrer eigenen Rivalin.
LA VÉNUS ÉLECTRIQUE – Verliebte Geister im Paris der Goldenen Zwanziger
LA VÉNUS ÉLECTRIQUE | SYNOPSIS
Paris, 1928: Seit dem Tod seiner Frau hat der gefeierte Maler Antoine Balestro seine schöpferische Kraft verloren. Verzweifelt versucht sein Galerist Armand, ihn aus seiner Krise zu befreien. Eines Abends sucht Antoine bei einer Wahrsagerin Trost und hofft, mit seiner verstorbenen Ehefrau Kontakt aufnehmen zu können. Was er nicht weiss: Die vermeintlichen Botschaften stammen von Suzanne, einer jungen Schaustellerin, die sich auf der Suche nach etwas Essbarem in den Wohnwagen der Wahrsagerin geschlichen hat.
Suzanne entdeckt ihr Talent für Täuschungen und beginnt, unterstützt von Armand, immer neue spiritistische Sitzungen zu inszenieren. Während Antoine dadurch zu neuer Inspiration findet, gerät Suzanne zunehmend in einen Konflikt zwischen Wahrheit und Lüge. Denn je länger das Spiel dauert, desto stärker verliebt sie sich in den Mann, den sie eigentlich hintergeht.
Faszination für Okkultismus
Der Film greift die damals weitverbreitete Faszination für Okkultismus und Spiritismus auf. Nach den Erschütterungen des Ersten Weltkriegs und angesichts eines schwindenden Einflusses traditioneller Religionen suchten viele Menschen nach neuen Formen des Glaubens und der Hoffnung. Für die Hauptrolle setzte Pierre Salvadori erneut auf Pio Marmaï. Nach DANS LA COUR (2014), EN LIBERTÉ! (2018) und LA PETITE BANDE (2022) ist LA VÉNUS ÉLECTRIQUE bereits die vierte Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und dem französischen Schauspieler.
LA VÉNUS ÉLECTRIQUE | REZENSION
Für uns in Cannes gesehen hat den Film Odine Perier
Verliebte Geister und elektrisierende Gefühle
Mit LA VÉNUS ÉLECTRIQUE gelingt Pierre Salvadori eine ebenso vergnügliche wie berührende Geschichte voller überraschender Wendungen. Mit grosser Liebe zum Detail lässt er das Paris der Goldenen Zwanziger wiederaufleben. Die prächtigen Kulissen des Jahrmarkts von Saint-Ouen, die warmen Farben und die nostalgische Atmosphäre verleihen dem Film einen märchenhaften Charme. Erinnerungen an die verspielte Welt von DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE ODER an Woody Allens MAGIC IN THE MOONLIGHT DRÄNGEN sich auf, ohne dass Salvadori dabei seine ganz eigene Handschrift verliert.
Besonders überzeugt das hervorragend aufgelegte Ensemble. Anaïs Demoustier verleiht Suzanne Witz, Energie und Verletzlichkeit zugleich. Pio Marmaï spielt den trauernden Künstler mit grosser Empathie und bestätigt erneut, warum er zu Salvadoris bevorzugten Darstellern gehört. Auch Gilles Lellouche und Vimala Pons setzen starke Akzente.
Humor, Romantik und Melancholie gehen in LA VÉNUS ÉLECTRIQUE eine selten gelungene Verbindung ein. Der Film erzählt von der tröstenden Kraft von Geschichten, von den Illusionen, die Menschen brauchen, und von der Liebe, die selbst aus einer Lüge entstehen kann. Salvadori bleibt dabei stets seinem humanistischen Blick treu: Er liebt seine Figuren und macht es dem Publikum leicht, es ihm gleichzutun.
Fazit: Eine elegante, warmherzige und wunderbar unterhaltsame Cannes-Eröffnung, die mit Leichtigkeit von Trauer, Hoffnung und den kleinen Selbsttäuschungen des Lebens erzählt.