Sie hat mehr als ein ganzes Jahrhundert erlebt – und einen grossen Teil davon dem Frieden gewidmet: Edith Ballantyne. 1938 floh sie als 16-Jährige vor den Nationalsozialisten aus dem Sudetenland nach Kanada. Später engagierte sie sich in der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF), wurde 1969 deren Generalsekretärin und später Präsidentin. Ihr filmisches Portrait stellt auch die aktuelle Frage, was Friedensarbeit in einer Welt zunehmender Aufrüstung noch bewirken kann.
IMAGINE PEACE – Frieden ist keine naive Idee
- Publiziert am 15. September 2026
Fabian Chiquets Dokumentarfilm porträtiert, die im Alter von 102 Jahren verstorbene Friedensaktivistin, Edith Ballantyne.
Zur Person | Edith Ballantyne
Edith Ballantyne (1922–2025) wurde im damaligen Jägerndorf in der Tschechoslowakei geboren und floh 1938 mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten nach Kanada. 1948 zog sie nach Genf. Von 1969 bis 1992 war sie Generalsekretärin der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF), anschliessend bis 1998 deren internationale Präsidentin. Über Jahrzehnte engagierte sie sich für Abrüstung, Frauenrechte, Menschenrechte und gewaltfreie Konfliktlösung. 1995 wurde sie mit dem Gandhi Peace Award ausgezeichnet. Edith Ballantyne starb am 25. März 2025 im Alter von 102 Jahren.
Ein Jahrhundert für den Frieden
Über Jahrzehnte kämpfte Edith Ballantyne für nukleare Abrüstung, Menschenrechte und eine stärkere feministische Perspektive in der internationalen Politik. Der Basler Filmemacher Fabian Chiquet, der heute in Bern lebt und arbeitet, begleitet Ballantyne in IMAGINE PEACE während ihrer letzten Lebensjahre. Dabei entstand kein historisches Denkmal, sondern das Porträt einer Frau, deren Lebensthema angesichts der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie einer weltweiten Aufrüstung neue Dringlichkeit erhält. Was kann Diplomatie noch leisten? Und wie lässt sich für Frieden eintreten, wenn militärische Abschreckung zunehmend wieder als alternativlos erscheint?

Der Kampf geht weiter
IMAGINE PEACE verbindet Ballantynes Erfahrungen mit den Stimmen einer jüngeren Generation. Nina Potarska aus der Ukraine vermittelt zwischen ukrainischen und russischen Hilfsorganisationen, die Libanesin Shirine Jurdi ermutigt Jugendliche zu politischem Engagement, und die britische Menschenrechtsanwältin Madeleine Rees kämpft mit juristischen Mitteln gegen Machtmissbrauch und für mehr Gerechtigkeit in internationalen Institutionen. So zeigt Chiquets Film Friedensarbeit nicht als abstraktes Ideal, sondern als konkrete, oft mühsame Praxis. Ballantyne brachte Menschen für Frieden und Abrüstung auf die Strasse, andere suchen heute den Dialog über verhärtete Fronten hinweg oder versuchen, internationale Strukturen zu verändern. Weil die Sprache von Waffen, Aufrüstung und Abschreckung wieder so selbstverständlich geworden ist, erinnert IMAGINE PEACE daran, dass Frieden nicht einfach ein Zustand ist. Er muss politisch erkämpft werden.

