Das Internationale Festival für Animationsfilm Fantoche geht vom 1. bis 6. September 2026 in Baden in seine 24. Ausgabe. Unter dem Motto CALLING PLANET EARTH richtet das Festival den Blick auf das fragile Verhältnis zwischen Mensch und Natur, entdeckt 90 Jahre ägyptische Animationsgeschichte neu und präsentiert 18 Langfilme aus fünf Kontinenten. Hinzu kommen 77 Kurzfilme, eine Schweizer Serien-Weltpremiere und neue Begegnungsformate mit Filmschaffenden.
FANTOCHE 2026 – ANIMATION ZWISCHEN APOKALYPSE UND AUFBRUCH
- Publiziert am 11. August 2026
Vom melancholischen Abgesang aufs Kino bis zur schwulen Viruskomödie: Das Festival zeigt, wie grenzenlos Animationsfilm sein kann.
DER ERÖFFNUNGSFILM: KINO VERSCHWINDET?
Eröffnet wird Fantoche mit LIGHT PILLAR, dem Langfilmdebüt des chinesischen Regisseurs Xu Zao. Nach seiner Weltpremiere an der Berlinale kommt der Film als Schweizer Premiere nach Baden. In einer nahen Zukunft hält Hausmeister Zha gemeinsam mit seiner Katze ein verlassenes Filmstudio am Leben und flüchtet sich zunehmend in virtuelle Welten. Realfilm, Animation und digitale Bilder verbinden sich zu einer melancholischen Reflexion über Einsamkeit, unerfüllte Träume und den Niedergang des Kinos.
VON KINDERSOLDATEN BIS ZUR VIRUSKOMÖDIE
Das Langfilmprogramm zeigt die ganze Spannweite des Animationskinos. ALLAH N’EST PAS OBLIGÉ begleitet einen zehnjährigen Kindersoldaten durch die Bürgerkriege Liberias und Sierra Leones. FORGOTTEN ISLAND von Joel Crawford und Januel Mercado erzählt von zwei Mädchen, einer mythischen Insel und einer Freundschaft, die Jahre später auf die Probe gestellt wird. Zu den ungewöhnlichsten Filmen gehört JIM QUEEN: Ein schwuler Influencer wird durch eine mysteriöse Virusinfektion langsam heterosexuell. Nicolas Athane und Marco Nguyen machen daraus eine leichtfüssige Komödie über Körperkult, Fussball und schwule Identität. Auch ALL YOU NEED IS KILL, BOUCHRA, CARMEN, L’OISEAU REBELLE oder die Stop-Motion-Groteske JUNK WORLD zeigen, wie selbstverständlich Fantoche zwischen Anime, queerer Metafiktion, Opernadaption und dystopischem Science-Fiction-Kino wechselt.
77 KURZFILME UND EINE WELTPREMIERE
In den drei Wettbewerben treten 77 Kurzfilme an. Der Gewinnerfilm des Internationalen Wettbewerbs kann sich für die Academy Awards qualifizieren. Neu ist Fantoche zudem ein Qualifying Festival für die Annie Awards, die zu den wichtigsten Auszeichnungen der Animationsbranche zählen. Für ein Schweizer Highlight sorgt die NUSSBAUMBANDI. Die 26-teilige Animationsserie von Dschoint Ventschr und SRF feiert in Baden Weltpremiere, bevor die tierische Bande später als GUETNACHTGSCHICHTLI im Fernsehen zu sehen ist.
WER MUSS EIGENTLICH GERETTET WERDEN?
Der Schwerpunkt CALLING PLANET EARTH beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Mensch und Natur. Zwei Kurzfilmprogramme beleuchten dabei die Verbundenheit mit der Umwelt ebenso wie deren zunehmende Zerstörung. Mit DANDELION’S ODYSSEY und POM POKO stehen zudem zwei Langfilme auf dem Programm, die vom Verlust natürlicher Lebensgrundlagen erzählen.
90 JAHRE ÄGYPTISCHE ANIMATION
Der Länderfokus führt nach Ägypten. Bereits 1936 schufen die Frenkel-Brüder mit MISH MISH EFFENDI den ersten Cartoonhelden des arabischen Raums. Fantoche widmet den Pionier ebenso wie zeitgenössischen Filmschaffenden eigene Programme. Restaurierte Werke des Regisseurs Ihab Shaker feiern dabei in Baden Weltpremiere.
KAFFEE, KUCHEN UND TATTOOS
Mit ARTISTS’ COFFEE & CAKE lanciert Fantoche ein neues Format, bei dem Besucher bei Kaffee und Kuchen direkt mit eingeladenen Regisseur ins Gespräch kommen können. Daneben gibt es Talks, Games, Workshops, Karaoke, Thermalbaden – und sogar Tattoos der Basler Illustratorin Bianca Caderas.
FAZIT
Fantoche 2026 zeigt Animation einmal mehr als eine der freiesten Formen des zeitgenössischen Kinos: politisch, verspielt, queer, melancholisch und manchmal herrlich absurd. CALLING PLANET EARTH klingt nach Krise – das Programm dagegen vor allem nach ungebrochener Fantasie.