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Kartause Ittingen | Joseph Kosuth

Begehbare und lesbare Konzeptkunst. Zusammenspiel von historischem Raum und gegenwärtiger Idee. Joseph Kosuth in der Kartause Ittingen im Kunstmuseum Thurgau.

Die Bibliothek im Weinkeller
Für den ehemaligen Weinkeller der Kartause Ittingen entwickelte der amerikanische Konzeptkünstler Joseph Kosuth 2006 eine einzigartige Installation. Er liess einen riesigen Text auf den Boden des Ausstellungsraums schreiben. Wie ein Teppich breiten sich Buchstaben und Wörter auf Hunderten von Quadratmetern Fläche im ansonsten leeren Raum aus, was die Schönheit der Gewölbe erst zur vollen Entfaltung bringt. Seine Installation nennt Joseph Kosuth «Eine verstummte Bibliothek». Kosuth hatte das lateinisch geschriebene Inhaltsverzeichnis des Bibliothekskatalogs der Kartause Ittingen von 1717 in den Boden des Ausstellungsraums eingravieren lassen. Er rekonstruierte das Ordnungssystem der Bibliothek, 1848 nach der Auflösung des Klosters entfernt, und verwies damit auf verschwundene Sinnzusammenhänge und Bedeutungsmuster, auf vergangenes Wissen und heutiges Unwissen. Das 2006 als zeitlich begrenzte Installation konzipierte Werk wurde im Frühjahr 2013 wieder in den ehemaligen Weinkeller der Kartause eingebaut, diesmal definitiv.

Konzeptkunst
Konzeptkunst ist eine in den 1960er-Jahren geprägte Bezeichnung für eine moderne Kunstrichtung, in der die Ausführung des Kunstwerks von untergeordneter Bedeutung ist und nicht durch den Künstler selbst erfolgen muss. Im Vordergrund stehen Konzept und Idee, die für die künstlerische Arbeit als gleichwertig erachtet werden. Ziel sind die «Entmaterialisierung» des Kunstwerks und die Einbeziehung des Betrachters. Gewohnte Sichtweisen, Begriffe und Zusammenhänge der Welt werden hinterfragt, neue Regeln erfunden. Es wird mit Kontexten, Bedeutungen und Assoziationen gearbeitet.

Joseph Kosuth
Joseph Kosuth ist einer der Hauptvertreter und Begründer der analytischen Richtung der Konzeptkunst, er beschäftigt sich «mit einer Untersuchung der Natur von Kunst» (Kosuth) und mit den Problemen der sinnlichen Wahrnehmung – der Realität, der Identität und der Definition des Gegenstandes. Kosuth lebt in New York und lehrt dort seit 1968 an der School for Visual Arts. Er ist auch publizistisch tätig.

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