Sieben Stunden Film an einem Tag – das klingt zunächst nach Zumutung. Bei Peter Mettler dürfte es eher eine Einladung sein, sich dem üblichen Rhythmus des Kinos zu entziehen. In seinem Film macht der schweizerisch-kanadische Filmemacher das eigene Leben zum Material: Gespräche, Reisen, Familiengeschichte, Krankheit, Tod, Natur und Erinnerung fliessen ineinander. Der 420-minütige Film wird im Oktober und November 2026 an acht Terminen als Special Event gezeigt – in zwei Blöcken mit einer einstündigen Essenspause dazwischen und meist in Anwesenheit des Regisseurs.
VOLLE SIEBEN STUNDEN LEBEN
Peter Mettlers WHILE THE GREEN GRASS GROWS dauert sieben Stunden – und kommt für acht einmalige Vorstellungen in Schweizer Kinos
PECIAL EVENT TOUR 2026
3. Oktober | Rex Bern
13:00–22:00 Uhr
4. Oktober | Le Cinématographe Lausanne
11:00–20:00 Uhr
10. Oktober | Xenix Zürich
12:30–21:30 Uhr
25. Oktober | Kinok St. Gallen
10:30–19:30 Uhr
1. November | Le Royal Sainte-Croix
11:00–20:00 Uhr
7. November | Stadtkino Basel
14:15–23:00 Uhr
14. November | Stattkino Luzern
12:30–21:30 Uhr
28. November | Korso Fribourg
12:30–21:30 Uhr
Die sieben Teile werden jeweils an einem Tag in zwei Blöcken gezeigt, dazwischen liegt eine einstündige Essenspause. Peter Mettler wird bei den meisten Vorstellungen persönlich anwesend sein.

Das Leben macht den Film
Mettler begann sein filmisches Tagebuch 2019. Seine Mutter war kurz zuvor gestorben, sein Vater Freddy starb während der Dreharbeiten, später folgten die Pandemie und eine eigene Erkrankung. WHILE THE GREEN GRASS GROWS ist aber kein Film über Verlust. Vielmehr wird das Filmen selbst zu einer Möglichkeit, dem Leben beim Geschehen zuzusehen. «Let life make the film», lautet Mettlers Ausgangspunkt. Wie Wasser soll sich der Film seinen Weg suchen: durch Kanada, die Schweiz, die USA und Kuba, vorbei an Menschen, Tieren, Landschaften und scheinbar nebensächlichen Beobachtungen. Cinéma Vérité trifft dabei auf Traum, psychedelische Bilder und experimentelle Klangwelten.
Zufälle erzeugen Zusammenhänge
Die Radikalität von Mettlers Werk liegt darin, dass er nicht versucht, das Leben nachträglich in eine saubere Geschichte zu pressen. Erinnerungen überlagern die Gegenwart, Orte kippen ineinander, Zufälle erzeugen Zusammenhänge. Der Film ist zugleich Familienchronik, Essay, Reisebericht, Liebeserklärung und Meditation über unsere Sterblichkeit. Mettler selbst beschreibt das Filmen des Todes seines Vaters nicht als Bewältigungsstrategie, sondern als eine Möglichkeit, das Geschehen anzunehmen.

Kino gegen die Beschleunigung
Sieben Stunden mögen in Zeiten von Reels, Shorts und permanenter Ablenkung anarchisch wirken. Doch gerade die Dauer gehört zum Konzept. WHILE THE GREEN GRASS GROWS verlangt keine Aufmerksamkeit im Sekundentakt, sondern schenkt Zeit: für Begegnungen, Abschweifungen, Stille und die kleinen Wunder des Alltags. Tragisches steht neben Komischem, Philosophisches neben Intimem. Im Presskit wird der Film als Mettlers bislang ambitioniertestes Werk bezeichnet – ein über drei Jahre entstandenes Tagebuch von überraschender Intimität. Filmemacher Atom Egoyan spricht von einer «lebensverändernden Kinoerfahrung». Die internationale Anerkennung setzte bereits ein, bevor das siebenteilige Werk vollständig vorlag: Teile des Projekts wurden unter anderem bei Visions du Réel, DOK Leipzig, RIDM, in Bozen und Medellín ausgezeichnet. Die vollständige Fassung feierte 2025 bei TIFF Docs Weltpremiere und erhielt beim Ji.hlava International Documentary Film Festival den Opus Bonum Student Jury Award. Die Jury würdigte einen Film, der in einer beschleunigten Welt an die Kraft von Stillstand, Stille und Gegenwart erinnert. Die Weltpremiere 2025 bei TIFF ist auch auf Mettlers offizieller Website bestätigt.

Peter Mettler – Kino als Zustand
Peter Mettler gehört seit Jahrzehnten zu den eigenwilligsten Stimmen des dokumentarischen Kinos. Seine Filme bewegen sich zwischen Essay, Reisebericht, Interview, Fiktion und Experiment; immer wieder beschäftigen ihn Natur, Technologie, Wahrnehmung und Transzendenz. Werke wie PICTURE OF LIGHT, GAMBLING, GODS AND LSD, THE END OF TIME oder BECOMING ANIMAL haben ihm international Retrospektiven und zahlreiche Auszeichnungen eingebracht. WHILE THE GREEN GRASS GROWS führt vieles davon zusammen – und ist gleichzeitig sein wohl intimstes Werk. Vielleicht sind diese sieben Stunden deshalb weniger Filmmarathon als eine selten gewordene Form des Kinobesuchs: Man gibt einen Tag ab – und erhält dafür Zeit zurück.