Mit Rolf Breiner verliert die Schweiz einen der prägenden Filmjournalisten seiner Generation. Über Jahrzehnte begleitete er das nationale und internationale Filmschaffen mit Leidenschaft, Sachkenntnis und grosser Menschlichkeit. Nun ist eine Stimme verstummt, die das Kino nicht nur beobachtete, sondern lebte.
Rolf Breiner (1947–2026) – Ein Nachruf
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Rolf Breiner (1947-2026) stammt aus Westfalen und lebt seit über 35 Jahren in der Schweiz. Er war als Redakteur bei der Weltwoche, bei Luzerner Tageszeitungen, dem Fernsehmagazin TR7 in Zürich tätig, bis 2012 Chefredaktor des Schweizer Monatsmagazins Immobilien Business . Rolf Breiner arbeitete nach seiner Pensionierung als freier Journalist im Bereich Film, Fernsehen und Medien. Für arttv.ch schrieb er viele Kritiken und führte Interviews.
Ein Leben für die Geschichten auf der Leinwand
Ein Nachruf von arttv Chefredaktor Felix Schenker
Wenn von Rolf Breiner die Rede ist, erinnern sich viele an seine Freundlichkeit, seine Bescheidenheit und seine unerschütterliche Neugier. Vor allem aber erinnern sie sich an seine grosse Liebe zum Film. Über Jahrzehnte schrieb er für zahlreiche Medien, darunter arttv.ch, CLICK FILM, Ensuite und weitere Publikationen. Mit seinen Kritiken brachte er unzähligen Menschen Filme näher, gab Orientierung und weckte Lust auf das Kino. Dabei blieb er stets im Hintergrund. Rolf sprach selten über sich selbst. Im Mittelpunkt standen für ihn die Werke und die Menschen dahinter: Regisseur, Produzent, Kameraleute und Schauspieler. Seine eigene Bedeutung für den Schweizer Filmjournalismus stellte er nie heraus – obwohl er zu den angesehensten Filmkritikern des Landes gehörte. Seine Faszination für Bilder begann bereits in der Kindheit. Comics gehörten zu seinen ersten Leidenschaften, und schon früh zeichnete er eigene Geschichten. Bilder waren für ihn nie bloss Illustrationen, sondern Erzählungen voller Bedeutung. Diese Begeisterung begleitete ihn ein Leben lang und prägte auch seinen Blick auf das Kino.
Leidenschaft statt Pflicht
Sein beruflicher Weg führte ihn von der damaligen Weltwoche unter Hans O. Staub über das Luzerner Tagblatt bis zum Fernsehmagazin TR7. Doch Film war für Rolf weit mehr als ein Beruf. Film war Leidenschaft. Über Jahrzehnte besuchte er Filmfestivals, Pressevorführungen und Premieren. Fast fünfzig Mal reiste er mit seiner Frau Irène ans Filmfestival von Locarno. Er war Juror an verschiedenen Festivals und engagierte sich als Auswahlmitglied der Semaine de la critique. Besonders am Herzen lagen ihm der Dokumentarfilm und das Schweizer Filmschaffen. Er wollte nicht nur Filme sehen, sondern auch die Menschen dahinter kennenlernen: Regisseur:innen, Produzent:innen, Kameraleute. Ihre Arbeit interessierte ihn genauso wie das fertige Werk auf der Leinwand. Auch nach seiner Pensionierung zog er sich nicht zurück. Mit einem eigenen Film- und Kulturblog blieb er dem Kino treu. Dabei verfolgte er einen Ansatz, der viel über seinen Charakter verrät: Er konzentrierte sich auf Filme, die er empfehlen konnte. Nicht das Verrissen stand für ihn im Vordergrund, sondern die Begeisterung für das Medium Film und die Lust, diese Begeisterung weiterzugeben. Ein Prinzip das auch für arttv.ch gilt.
Einer der «letzten Mohikaner»
Wie sehr Rolf geschätzt wurde, zeigen die Erinnerungen vieler Weggefährten. Sein langjähriger Berufskollege Geri Krebs erzählte, wie sich die beiden in den letzten Jahren oft bei Pressevorführungen trafen und scherzhaft als die «letzten Mohikaner» ihres Berufsstandes bezeichneten. Hinter diesem Scherz verbarg sich eine Realität, die Rolf mit Sorge beobachtete: Der Kulturjournalismus steht zunehmend unter Druck. Immer weniger Medien verfügen über die Mittel, Kultur professionell zu begleiten, da die Werbegelder zunehmen in die amerikansichen Techplattformen fliessen. Dennoch verlor Rolf nie seine Zuversicht. Im Zentrum standen für ihn stets die Freude am Film, der Respekt vor den Filmschaffenden und die Verbundenheit mit Kolleg. Für die Schweizer Filmkultur war er weit mehr als ein Kritiker. Er war ein Vermittler zwischen Film und Publikum, ein aufmerksamer Beobachter und ein leidenschaftlicher Fürsprecher des Kinos.
Ein letzter Film
Besonders bewegend bleibt, dass Rolf noch wenige Tage vor seinem Tod voller Vorfreude zusagte, für arttv.ch eine Kritik zum Film THE PIANO TUNER mit Dustin Hoffman zu schreiben. Nicht aus Pflichtgefühl und nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil er es liebte, Filme zu sehen und darüber nachzudenken. THE PIANO TUNER wird für mich persönlich, immer mit Rolf verbunden bleiben. Sein persönlicher Lieblingsfilm war jedoch SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD von Sergio Leone. Kaum ein Werk vereint so vieles von dem, was Rolf am Kino schätzte: grosse Bilder, grosse Geschichten, starke Figuren und die unvergessliche Musik von Ennio Morricone.
Ein Vermächtnis, das bleibt
Rolf Breiner hat Generationen von Filmschaffenden begleitet, Tausende von Filmen gesehen und unzählige Texte geschrieben. Dabei verlor er nie jene Begeisterung, die ihn bereits als Kind in die Welt der gezeichneten Geschichten geführt hatte. Er hinterlässt Spuren in der Schweizer Filmwelt, bei seinen Kolleg und bei all jenen, die seine Kritiken gelesen haben. Seine Texte werden bleiben. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der das Kino mit Herz, Wissen und Hingabe begleitet hat.
Kaum einer liebte das Kino wie er!