Möglicherweise ist es sogar die letzte grosse Kinorolle der wunderbaren deutschen Schauspielerin. In ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE zeigt sie einmal mehr ihr grosses Könen. Ungeschminkt, feinfühlig und mit grosser Präsenz findet sie die perfekte Balance zwischen Lebensklugheit, Melancholie und feinem Humor.
ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE
- Publiziert am
ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE | SYNOPSIS
Der junge Joachim wird überraschend an einer renommierten Schauspielschule in München aufgenommen und zieht in die Villa seiner exzentrischen Grosseltern Inge und Hermann. Zwischen intensiver Schauspielausbildung und den skurrilen, oft alkoholgeprägten Alltagsritualen seiner Grosseltern sucht Joachim seinen Platz im Leben und ringt mit den Erwartungen an seine künstlerische Identität und familiären Bindungen.
ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Rolf Breiner
Zwischen Trauer und Theater
Der junge Joachim Meyerhoff, gespielt von Bruno Alexander, versucht nach dem Unfalltod seines älteren Bruders wieder Boden unter den Füssen zu gewinnen. Der Verlust reisst eine tiefe Lücke in sein Leben. Zuflucht sucht er im Schauspiel – eher aus einem inneren Impuls heraus als aus echter Überzeugung. Überraschend wird er an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München aufgenommen und zieht zu seinen Grosseltern nahe dem Nymphenburger Schloss. Dort gerät Joachim in eine eigentümliche Welt voller Rituale, Schrullen und liebevoll gepflegter Exzentrik. Von seinen Grosseltern wird er zärtlich «Lieberling» genannt, während er sich gleichzeitig mit den Zumutungen der Schauspielausbildung herumschlagen muss. Als Nilpferd «Effie Brest» auftreten oder «mit den Brustwarzen lächeln» – der Weg zur Bühne erscheint unerquicklich und absurd zugleich.
Exzentrik mit Herz
Regisseur Simon Verhoeven hat Joachim Meyerhoffs autobiografischen Roman sensibel und zugleich humorvoll adaptiert. Im Zentrum steht weniger die Schauspielschule als vielmehr das eigenwillige Leben der Grosseltern. Grossvater Hermann, wunderbar trocken gespielt von Michael Wittenborn, gefällt sich als philosophischer Denker, während Grossmutter Inge pragmatisch bleibt und ihren Enkel vor dem Schauspielberuf warnt. Gerade die alltäglichen Rituale machen die beiden so liebenswert: gemeinsam auf dem Teppich Musik hören, Champagner zum Frühstück, später Weisswein, Whiskey und Rotwein bis hin zum abendlichen Cointreau. Das klingt grotesk, wirkt aber nie lächerlich, sondern vermittelt Wärme, Geborgenheit und tiefe Verbundenheit.
Eine späte Glanzrolle für Senta Berger
Besonders beeindruckend ist Senta Berger als Grossmutter Inge. Ungeschminkt, feinfühlig und mit grosser Präsenz findet sie die perfekte Balance zwischen Lebensklugheit, Melancholie und feinem Humor. Vielleicht ist dies tatsächlich ihre letzte grosse Kinorolle – jedenfalls eine, die lange nachhallt. Auch die Nebenrollen sind prominent und treffend besetzt: Karoline Herfurth, Johann von Bülow, Tom Schilling oder Devid Striesow verleihen dem Film zusätzliche Kontur.
Fazit
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke balanciert gekonnt zwischen Tragik und Komik, Melodrama und Familienporträt. Simon Verhoeven gelingt ein warmherziger Film über Verlust, Selbstfindung und die Kraft familiärer Nähe. Gerade die schrulligen Momente verleihen der Geschichte ihren besonderen Reiz. Ein unterhaltsamer, fein beobachteter Film voller Menschlichkeit, Ironie und leiser Melancholie.