Mit SOLOMAMMA erzählt die norwegische Regisseurin Janicke Askevold von einer modernen Mutterschaft, die sich jenseits klassischer Familienmodelle entfaltet – und von den leisen, aber tiefgreifenden Konflikten, die entstehen, wenn persönliche Entscheidungen auf emotionale Realitäten treffen. Getragen von einer nuancierten Performance von Lisa Loven Kongsli entfaltet sich ein zurückhaltendes Drama über Identität und Verantwortung.
SOLOMAMMA – Grenzen der Selbstbestimmung
SOLOMAMMA | SYNOPSIS
Edith ist eine von Neugier getriebene Journalistin und alleinerziehende Mutter. Als die Identität ihres Samenspenders bekannt wird, spürt sie ihn unter dem Vorwand auf, ihn über seine Firma zu interviewen. Nach und nach entsteht eine echte Verbindung. Doch je mehr Edith sich in ihre Lügen verstrickt, desto mehr gerät das fragile Leben ins Wanken, das sie sich aufgebaut hat.
SOLOMAMMA | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Madeleine Hirsiger
Unerfüllter Kinderwunsch und Samenspender. Eine Möglichkeit für viele Frauen, die sich nach einem Kind sehnen, aber keinen Partner haben oder keinen möchten. Was logisch und einfach klingt, kann bei Müttern zu Unsicherheiten, seelischen Turbulenzen und intensiven Recherchen führen. Wer ist der Vater meines Kindes? Was für ein Mensch ist er? Der norwegische Spielfilm SOLOMAMMA setzt sich feinfühlig und intelligent mit diesen Fragen auseinander.
Was ist mit dem Samenspener?
Edith, eine engagierte Mutter, verdient ihr Geld als Journalistin. Der kleine Sigurd ist ein aufgeweckter, lebendiger Bub, kreativ und willensstark. Er versteht sich gut mit seiner Halbschwester Amanda, deren Mutter Trine denselben Samenspender wie Edith gewählt hat: «Inuus». So weit, so gut. Während einer Diskussion mit Kolleg wird über dieses Thema debattiert. Alle wissen, wie Edith ihr Kind empfangen hat. «Was weisst du denn über den Vater?» – «Nicht viel, aber das interessiert mich auch nicht, er ist ja nur ein Spender.» – «Und wenn der Spender lügt?» Ein Kollege wirft ein, er habe einmal gelesen, dass in den USA ein Samenspender schizophren gewesen sei, ohne dies anzugeben. Edith ist verunsichert. Sie greift auf die Audiodatei zurück und hört sich das Gespräch nochmals an, das eine Psychologin mit «Inuus» geführt hat. Er ist Spielentwickler, und sie hört Sätze wie: «Ich glaube, ich bin ein grosszügiger Mensch.» – «Mir gefällt die Vorstellung, dass da draussen irgendwo ein Teil von mir ist.» – «Hallo! Ich hoffe, du hast ein gutes Leben und wirst geliebt.»
Die Suche nach der Wahrheit
Als Edith und Trine mit ihren Kindern Zeit am Strand verbringen, sagt Trine unvermittelt: «Ich habe herausgefunden, wer ‹Inuus› ist. Er heisst Nils Krohn.» Jetzt ist Edith nicht mehr zu halten. Krohn ist leicht zu finden. Als Journalistin vereinbart sie unter einem Vorwand einen Interviewtermin mit ihm. Angeblich möchte sie ihn zu seiner Tätigkeit als Spielentwickler befragen. Sie sitzt ihm in seinem schicken Haus gegenüber, nervös und Selbstsicherheit vortäuschend – und hebt damit den Deckel der Büchse der Pandora. Nun entwickelt sich eine spannende, beinahe detektivische Geschichte, die von Nachforschungen, Abenteuerlust und dem unbedingten Wunsch, die Wahrheit zu kennen, angetrieben wird.
Psychologisch stimmig erzählt
Der 46-jährigen norwegischen Regisseurin und Schauspielerin Janicke Askevold gelingt es überzeugend, die Geschichte psychologisch und dramaturgisch stimmig voranzutreiben. Inspiriert wurde sie, wie sie selbst sagt, von einer Freundin. Diese habe ihr erzählt, sie habe den leiblichen Vater ihres Sohnes über soziale Medien gefunden und mit ihm eine Beziehung begonnen, ohne ihm die Wahrheit zu sagen. Es sind vor allem Lisa Loven Kongsli als Edith und Herbert Nordrum als Nils Krohn, die dem Film jene Glaubwürdigkeit verleihen, die er benötigt. Entstanden ist ein Werk, das die Suche nach dem biologischen Vater nicht aus der Perspektive des erwachsenen Kindes, sondern aus jener der Mutter erzählt. Erwähnenswert ist zudem, dass in Norwegen die alleinige Mutterschaft durch künstliche Befruchtung seit fünf Jahren legal und in öffentlichen Spitälern kostenlos möglich ist. Der Film war im vergangenen Jahr am Wettbewerb des Locarno Film Festival vertreten.
Fazit
SOLOMAMMA erzählt eine ungewöhnliche Geschichte über Mutterschaft, Herkunft und die Frage, wie viel wir über die biologischen Wurzeln unserer Kinder wissen möchten. Janicke Askevold verbindet gesellschaftlich relevante Themen mit einer spannenden Handlung und einer präzisen Figurenzeichnung. Daraus entsteht ein feinfühliges Drama, das lange nachwirkt und einen Perspektivenwechsel ermöglicht.