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VERDINGKINDER | PORTRAITS VON PETER KLAUNZER | EIN DUNKLES KAPITEL DER SCHWEIZ

Es ist ein dunkles Kapitel in der Schweizer Geschichte: das Schicksal der Verdingkinder. Eine Ausstellung des Polit-Forums im Käfigturm Bern mit Fotografien von Peter Klaunzer gibt den Betroffenen ein Gesicht.

Zeitzeugen
Viel wurde über das Thema Verdingwesen in den letzten Jahren gesprochen. Endlich wird es als das benannt, was es eigentlich war: eine Form von staatlich organisierter Kindersklaverei. Das Verdingwesen wurde geschichtswissenschaftlich gründlich aufgearbeitet, es wurden Bücher geschrieben und Filme gedreht. Die Ausstellung von Peter Klaunzer eröffnet nochmals einen neuen Blick auf die Thematik. Die Portraits schlagen eine Brücke aus diesem dunklen Stück Vergangenheit in die Gegenwart, denn diese Menschen sind noch da. Sie tragen ihre oft tragischen Geschichten bis heute mit sich. Blickt man in ihre Gesichter, wird man sich der Tragweite ihres Schicksals bewusst.

Herausfinden, was dahinter steckt
«Man sieht, dieser Person ist etwas passiert, das nicht alltäglich ist», sagt der Fotograf Peter Klaunzer. Er habe genauer erkunden wollen, was diesen Leuten widerfahren ist. Die 25 Portraitierten schenkten dem Fotografen ihr Vertrauen, liessen ihn Einblick nehmen in ihr Leben und erzählten ihm ihre Geschichten. Entstanden ist eine eindrückliche Schau, die erahnen lässt, welch entwürdigenden Erlebnissen die einstigen Verdingkinder in ihrer Kindheit und Jugend ausgesetzt waren. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, sich mit den Schicksalen der ehemaligen Verdingkinder vertieft auseinanderzusetzen. Ein Reader mit Bildern und Texten beinhaltet die einzelnen Biografien. Die Portraitierten haben schwere Beeinträchtigungen davongetragen und leiden bis heute unter den traumatischen Erlebnissen ihrer Kindheit. Um so wichtiger ist es für sie, von der Öffentlichkeit gehört, ernst genommen und anerkannt zu werden. Dazu leistet die Ausstellung einen wichtigen Beitrag.

netzwerk-verdingt
Die Ausstellung im Käfigturm Bern, organisiert von Keystone und dem Polit-Forum des Bundes, entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Verein netzwerk-verdingt. Der Verein wurde 2008 von ehemaligen Verdingkindern gegründet. Es ermöglicht den Erfahrungsaustausch unter Betroffenen, fördert die Erforschung und Aufarbeitung der meist unrühmlichen Geschichte vieler Verding-, Heim- und Pflegekinder, leistet Beistand für Ratsuchende und setzt sich in der Öffentlichkeit für die Anliegen der Betroffenen ein.

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