Georgette Maag und Aldo Mozzini verwandlen das Zimmermannhaus in eine begehbare Stadt mit vier atmosphärischen Ebenen. Vom körperlich erfahrbaren Architekturraum über gezeichnete und gefilmte Erinnerungsfragmente bis hin zu einem surrealen Denkraum entfaltet sich Stadt als physische, mentale und poetische Konstruktion. Die Ausstellung führt vom gebauten Raum zur inneren Stadt – und von der individuellen Wahrnehmung zur gemeinsamen Erzählung.
Urban Playground: Die Stadt als Bühne des Alltags
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Das Rahmenprogramm
Ein Café auf Zeit lädt an Sonntagen während der Laufzeit zum Verweilen und zum Austausch ein. Im Rahmen einer öffentlichen Fotoaktion ist die ganze Stadt eingeladen, verschiedenste Blicke auf Brugg festzuhalten – im Detail oder Panorama, als Fotorätsel oder unerwartete Begebenheit. Diese ortspezifischen Reportage wächst mithilfe einer Druckstation zu einem kollektiven Stadtporträt zusammen. Schliesslich erweitern sensorische Stadtspaziergänge den Radius des Projekts über das Haus hinaus in den öffentlichen Raum.
Die Stadt als Experimentierfeld
Georgette Maag (*1955 in Zürich, lebt und arbeitet in Zürich) und Aldo Mozzini (*1956 in Locarno, lebt und arbeitet in Zürich) nennen ihre erste, gemeinsame Ausstellung nicht zufällig «Urban Playground». Vom Erdgeschoss bis unters Dach des Zimmermannhaus wird die Stadt zum Modell. Beide Kunstschaffenden verbindet ein Interesse an alltäglichen Beobachtungen im Grossraum der Urbanität. Unabhängig voneinander untersuchen sie die Stadt als Bühne des Alltags, als Stube, Spielplatz oder Durchgangsort. Durch Georgette Maags Linse wird der Stadtraum geprägt von Choreografien des Zufalls. Architektur nimmt bei Aldo Mozzini den Wesenszug des Provisoriums an, wird zur instabilen Skulptur, gar zum Leuchter, nicht zuletzt zum Stimulus für unsere Fantasie.
Urbane Experimentierfeude
Die Ausstellung «Urban Playground» ist das Ergebnis eines künstlerischen Dialogs: Maag und Mozzini bringen einen Fundus an Materialien und Möglichkeiten mit, sind sich im Aufbau der Ausstellung gleichzeitig Herausfordung und Impulsgeber:in. Beide haben ein Werk hinter sich, das von ganz realen Dingen ausgeht, um das scheinbar Selbstverständliche zu befragen, auf seine Echtheit abzuklopfen oder ins Surreale fortzuschreiben. Was macht es aus, dass uns die Fotografie von einem Stück Architektur in die Welt von Traum und Magie entführt? Wie kommt’s, dass wir mit Blick auf einen Tisch ganz neu über die Anatomie von Möbeln nachdenken? Die beiden Kunstschaffenden konzipieren mit so vielfältigen Medien wie Zeichnung, Objekt, Fotografie, Video und Installation einen Parcours durchs ganze Haus.
Auf allen Ebenen
Enge Passagen gehen im ersten Obergeschoss in offenere «Plätze» über, Verdichtung trifft auf Leere. Ein Stockwerk höher lässt eine grosse, begehbare Zeichnung eine fiktive Stadtlandschaft entstehen. Videosequenzen rufen flüchtige Konstellationen auf oder bringen Blickachsen ins Spiel – Strassenschluchten und ferner Himmel. Mobiliar aus dem öffentlichen Raum von Brugg, vertraut und fremd zugleich, verschiebt Massstäbe, bringt Perspektiven ins Kippen. Im Dachstock münden die beiden künstlerischen Handschriften in einen poetischen Raum. In loser Anlehnung an Italo Calvinos «Die unsichtbaren Städte» (1972) entsteht eine Stadtlandschaft jenseits von funktionalen Logiken. Unwahrscheinliche Nachbarschaften, assoziative Übergänge und überraschende Verbindungen bilden die Projektionsfläche für Wünsche, für Erinnertes und neue Erzählungen. Hier verdichtet sich das zuvor Erlebte zu einer inneren, imaginierten Stadt.
