Kunst
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Zimmermannhaus & Salzhaus | Brugg | Kupper, Salz und Zimmermann – hausaus hausein

Die Ausstellung beleuchtet das städtische Terrain aus neuen Blickwinkeln und stiftet Begegnungen über die einzelnen Kultursparten hinaus.

Wo verlaufen die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum? Was erwarten wir hinter einer ganz gewöhnlichen Wohnungstür und wie lenkt der aussergewöhnliche Zugang unsere Aufmerksamkeit? Für einmal machen das Zimmermannhaus Kunst & Musik und die Ausstellungsgruppe Salzhaus gemeinsame Sache. Für «Kupper, Salz und Zimmermann» verlassen beide ihre angestammten Häuser, um sonst kaum zugängliche Orte in der Altstadt mit eigens geschaffenen Kunstinterventionen neu zu deuten und zu erschliessen.

Mit: Zilla Leutenegger, CKÖ, Marianne Halter & Mario Marchisella, Andreas Hofer, Paul Takàcs, Leana Wirth, Agatha Zobrist, Andreas Bächli & Maria Bänziger, Karoline Schreiber

Versteckte Räume entdecken
Das zentral gelegene Kupperhaus, ursprünglich Metzgerei und über Jahre städtisches Verwaltungsgebäude, wird zum Dreh- und Angelpunkt einer ganzen Reihe von künstlerischen Interventionen. Hier können Besucher*innen inmitten von Kunst verweilen sowie bei einem Portier die Schlüssel beziehungsweise Codes zur Besichtigung weiterer Räume ausleihen. Der Weg führt unter anderem in eine leerstehende Wohnung, wo das Künstlerpaar Marianne Halter & Mario Marchisella mit Sound und Video innere Bilder aufrufen. In einem verborgenen Kellerraum zeigt Andreas Hofer seine zeichnerischen Protokolle, in denen er Passant*innen in Bruggs Plätzen und Strassen festgehalten hat. Eine ehemalige Gefängniszelle wird für Agatha Zobrist zum neuen, unbeschriebenen Raum.

Lesungen, Performances und Aktionen im Stadtraum
An den Wochenenden nimmt «Kupper, Salz und Zimmermann» geradezu Festival-Charakter an: Unmittelbar nach der Eröffnung steht der Kunstparcours im Mittelpunkt. Am zweiten Wochenende rücken musikalische Betrachtungen in den Vordergrund mit einem Konzert des Colores Trio im Salzhaus und einer Konzertwanderung werden die situativ installierten Kunstwerke zur Kulisse und zum Verstärker musikalischer Atmosphären. Zu den Brugger Literaturtagen schliesslich testen Lesungen, Performances und Aktionen im Stadtraum den Dialog. Während der ganzen Ausstellungsdauer veranstalten verschiedene Gastgeber Tafelrunden, an denen jeweils einzelne Künstler*innen mit zu Gast sind.

Leerstand
Wenn «Kupper, Salz und Zimmermann» Bruggs innerstädtischen Raum zur Grundlage künstlerischen Handelns macht, ist das nicht zuletzt ein Versuch, auf den um sich greifenden Leerstand von Liegenschaften zu reagieren: Kulturakteure haben einen Sinn für die Erinnerung von Architektur und die kreativen Techniken, sie sichtbar zu machen im Hinblick auch auf künftige Nutzungen. «hausaus hausein» will darüber hinaus das Publikum aus der individuellen Kunstbetrachtung in den gemeinsamen Erfahrungsraum der Stadt lotsen. Dass «hausaus hausein» auch die Zusammenarbeit und längerfristige Vernetzung mehrerer Kulturakteure in Brugg intensiviert, kommt dem Publikum zugute: «Kupper, Salz und Zimmermann» ist eine Ausstellung, die Synergien nutzt an teils ungewohnten Orten. Mit Ereignis-Charakter, schafft sie generationenübergreifend einen gleichzeitig lustvollen und ernsthaften, niederschwelligen und hochwertigen Zugang zu Kunst und Kultur über die einzelnen Sparten hinweg.

Kooperation
Das Zimmermannhaus ist Bruggs Adresse für zeitgenössische Kunst und für Kammermusik. An der Vorstadt 19 stellt es in jährlich vier Wechselausstellungen aktuelle Kunst vor. Sinnlich, manchmal leise und manchmal mit provokantem Schalk regt diese zum Nachdenken an. Mit dem Zimmermannhaus anerkennt und fördert die Stadt Brugg heutige Kunst als ein Feld, das ausserhalb von funktionalen Zusammenhängen gesellschaftliche Fragen aufwirft und aktiv beiträgt zum Verständnis unserer Zeit. Auf zwei Stockwerken und mit sporadischen Interventionen
in Bruggs öffentlichem Raum erschliesst es einem breiten Publikum das vielfältige Spektrum gegenwärtigen Kunstschaffens. Verbindlich in seiner lokalen Verankerung, situiert sich das Programm in einer überregionalen Szene professioneller Kunst und ihrer Vermittlung.

In einem ehemaligen Salzhaus befinden sich heute Örtlichkeiten für Bühne, Zuschauer und Kunstausstellungen. Ursprünglich war das Haus zur Lagerung von Salz genutzt worden. In einer späteren Phase diente es dem Bauamt. Ab 1995 fanden im Haus erste kulturelle Veranstaltungen statt, seit 2000 sind regelmässig kleinere und grössere Konzerte zu Gast. Einmal im Jahr wird das ganze Haus mit zeitgenössischer regionaler
und überregionaler Kunst bespielt. Das Salzhaus hat sich mit den verschiedenen Sparten über die Kantonsgrenzen hinaus einen Namen gemacht. MusikerInnen sowie Bildende KünstlerInnen lassen sich von der einmaligen Atmosphäre des Hauses inspirieren.

Bilder:
1) Agatha Zobrist, «blanko (Arbeitstitel)», 2020. Foto: Agatha Zobrist Rauminstallation mit Heften A4, Holz (Ausschnitt)

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2) Andreas Hofer, «Brugg nach dem Lockdown», 2020. Foto: Andreas Hofer, Tusche auf Papier, je 89.5 × 128 cm

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3) PaulTakács, «(Häuschen) 1», 2020. Foto: Paul Takács, Öl auf Karton, 23 × 11 × 12 cm

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4) Marianne Halter & Mario Marchisella, noch ohne Titel, 2020. Bild: Halter & Marchisella, Fotomontage Rauminstallation

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