© Fereydoun Ave: Shah Abbas and his Page Boy, 2015, Lahaf 13, Mischtechnik auf Patchwork verschiedener Textilien

AB43 Contemporary Thalwil | FEREYDOUN AVE

Zur Eröffnung ihrer neuen Location in Thalwil lädt die AB43 Contemporary zur Ausstellung des neuesten Werkzyklus von Fereydoun Ave. Der Grandseigneur der zeitgenössischen Kunstszene des Irans thematisiert in dieser Arbeit die Diskrepanz zwischen Terror und Prunk unter dem Schah Abbas.

Kaum zu übertreffende Diskrepanz
«Shah Abbas and his Page Boy»: Ausgehend von einem Bild des Hofmalers Muhammad Qasim Musawir, das Schah Abbas I (1571–1629) in inniger Umarmung mit seinem Pagen zeigt, entwickelte Fereydoun Ave in den letzten zwei Jahren eine Serie von vierzehn Malereien, die er auf eigens dafür angefertigten Teppichen anbrachte. Die kaum zu übertreffende Diskrepanz zwischen der überlieferten Brutalität des grossen Herrschers und Eroberers und dessen in der intimen Szene mit dem Pagen dargestellten Zartgefühls findet ihr Pendant in der Kluft zwischen dem öffentlichen und dem privaten Leben im heutigen Iran.

Verwebung von Schein und Sein
Fereydoun Ave, einer der wichtigsten Wegbereiter der iranischen Gegenwartskunst, begegnet der ambivalenten Thematik von Schein und Sein, indem er ihre Facetten in subtiler und poetischer Weise nicht nur sinnbildlich, sondern buchstäblich miteinander verwebt. Ave bemalt und bearbeitet die eigens in Werkstätten des Teheraner Bazars hergestellten Patchwork-Stoffdecken in seinem unverwechselbaren Stil mit abstrakten, skripturalen Liniengeflechten, als gelte es, auf diesen Teppichen des kollektiven kulturellen Selbstverständnisses seine individuellen Markierungen und Spuren zu hinterlassen.

Fereydoun Ave: bewegte Biografie
Fereydoun Ave ist seit bald fünfzig Jahren vorerst im Theater und Film, dann als Kurator und als Künstler tätig. Geboren 1945 in Teheran, studierte er in den späten 60er Jahren an der Film School der New York University in einem Umfeld des Aufbruchs der Künste: Warhol, Rauschenberg, Cage oder Scorsese sind nur einige der Namen, die damals die Szene prägten. Zurück in Teheran, fand Ave eine blühende, von Kaiserin Farah Diba stark beförderte Kulturszene vor. Umso brutaler die Wende im Zuge der islamischen Revolution im Jahre 1979. Ave hielt der Stadt die Treue und gründete 1984 mit der heute legendären 13 Vanak Street Gallery den damals einzigen alternativen Ausstellungsort Teherans. Ave wurde zum Mentor einer ganzen Generation iranischer Kunstschaffender. Einem Tänzer gleich pendelt Ave zwischen den Welten und verbindet traditionelle östliche und zeitgenössische westliche Haltungen.

Across Borders
AB43 Contemporary vertritt seit über fünfzehn Jahren führende zeitgenössische künstlerische Positionen aus dem Mittleren Osten und dem arabischen Raum, insbesondere aus dem Iran. «AB» steht für «Across Borders» und ist ein Bekenntnis der Gründer und Eigentümer Heidi und Franz J. Leupi zu einer Galerientätigkeit, die sich nebst dem Handel und der Vermittlung von Werken auch für die Förderung der Kunstschaffenden sowie des kulturellen Austausches zwischen dem Osten und dem Westen engagiert. Seit August 2016 hat die AB43 Contemporary in der denkmalgeschützten Liegenschaft «Diana» in Thalwil/Zürich eine neue Location, u.a. mit zwei unkonventionellen lichtdurchfluteten Ausstellungsräumen in der ehemaligen Orangerie.

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