Wilde kehrt mit THE INVITE auf den Regiestuhl zurück und übernimmt zugleich eine der Hauptrollen. Die englischsprachige Neuverfilmung des spanischen Films The People Upstairs erzählt von zwei Paaren, deren gemeinsames Abendessen zunehmend aus dem Ruder läuft. An der Seite von Wilde spielen Seth Rogen, Penélope Cruz und Edward Norton. Das Kammerspiel verbindet Komödie und Drama und feierte seine Premiere beim Sundance Film Festival 2026.
THE INVITE – Ein Abendessen als Spiegel moderner Beziehungen
THE INVITE | SYNOPSIS
Nach 15 Jahren Ehe steckt die Beziehung von Angela (Olivia Wilde) und Joe (Seth Rogen) in der Krise. Als Angela spontan die geheimnisvollen Nachbarn aus der Wohnung über ihnen einlädt, nimmt der Abend eine unerwartete Wendung. Es zeigt sich, dass Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) dem Paar weit mehr Sympathie entgegenbringen, als die bisher eher distanzierten Begegnungen vermuten liessen. Was als geselliger Abend mit Smalltalk über Käse, Wein und Inneneinrichtung beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer aberwitzigen Achterbahnfahrt der Gefühle. Wer spielt hier mit wem und wer verliert am Ende die Kontrolle?
THE INVITE | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Madeleine Hirsiger
Der Film ist eigentlich eine psychoanalytische Studie über zwei Ehepaare, wobei das eine in einer tiefen Krise steckt. Sie wohnen im gleichen Haus: eines im unteren Stock – Joe und Angela, das andere im oberen - Hawk und Pina. Schon in den ersten Bildern wird das Thermometer installiert: es ist heiss.
Joe, einst eine aufgestellte Frohnatur und in einer Jazzband spielte, unterrichtet heute ziemlich desillusioniert als Lehrer an einer mittelmässigen Musikschule mit mittelmässigen Student:innen und ist sowas von motivationslos, dass er einem leid tut. Mürrisch verlässt er die Schule, quält sich mit seinem Velo, das man eigentlich zusammenlegen könnte, in den Lift, kommt zu Hause durch die Wohnungstür und legt sich mit heftigen Rückenschmerzen auf den Boden und atmet heftig. Dann hört er die Stimme seiner Frau: «Zieh die Schuhe aus».
Die Kampfarena ist eröffnet. Was folgt, ist eine heftige Auseinandersetzung zwischen Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde). Sie hat die «Oberen» zum Abendessen eingeladen, er findet das überhaupt nicht lustig. Man habe ihn darüber nicht informiert und wolle diese Leute auf keinen Fall sehen. Sein Problem: die «Oberen» haben sozusagen jede Nacht heftigen Sex, was Stöhnen und andere unangenehme Geräusche zur Folge hat. Er ist hässig, macht sich an die Kalte Platte ran, was sie wiederum auf keinen Fall duldet, denn die Gäste könnten jeder Zeit eintreffen. Und Wein ist auch keiner da.
Es folgt ein Schlagabtausch erster Güte: brillante Dialoge, brillante Inszenierung, brillantes Schauspiel. Es wird durcheinandergeschrien, gegenseitige Vorwürfe erteilt, seit langer Zeit Verschwiegenes bricht aus, Vorwürfe, Kränkungen, angestaute Wut, all das fliegt pingpong-artig durch das Zimmer. Ein Ende ist nicht in Sicht – gefühlsmässig ist man eher bei Angela, weil ihr auch die mangelnde Sexualität mit Joe zu schaffen macht und ihre Vorwürfe an ihn verständlicher sind.
Wenn es nur der Sex wäre
Dann stehen die «Oberen» in der Wohnung. Ihr Klingeln an der Tür wurde nicht gehört. Ob sie ungelegen kämen, sie hätten heftige Diskussionen vernommen. «Nein nein, alles gut». Sie würden sowieso gerne bei Paaren zu Besuch sein, die nicht in Harmonie lebten, sagen die Oberen. Aha.
Das Eine ergibt das Andere, man tauscht Allgemeines aus, die Kalte Platte wird kaum angerührt. Pina (Penelope Cruz) spanischer Herkunft, ist Psychotherapeutin und Sexologin und isst nur vegan. Da bleibt der «Jamon», den Angela extra für sie gekauft hat, stehen. Zusammen mit ihrem Freund Hawk (Edward Norten), ein Feuerwehrmann, der sich in Rolfing weitergebildet hat, enthüllen langsam und umständlich, warum sie die Einladung angenommen haben: sie lieben Sex, zu viert, auch mal im Rudel, Und natürlich würden sie sich enorm freuen, wenn sie vielleicht auch mal Lust hätten, dabei zu sein. Dann geht es wieder los, emotionale Ausbrüche und wüste Worte folgen sich wellenförmig, mal laut, mal zurückhaltender, es kommt zu Offenbarungen und zu Annäherungen.
Es gelingt der US-amerikanischen Regisseurin Olivia Wilde, die selbst die Hauptrolle der Angela spielt, diese kammerspielartige Inszenierung kraftvoll und gekonnt in Szene zu setzen. Die Geschichte spielt an einem Abend und die Dialoge von Will McCormack und Rashida Jones sind umwerfend, treffsicher, schnell und witzig. Der Film basiert auf dem Spanischen Theaterstück «Los vecinos de arriba» und wurde 2020 von Cesc Gay unter dem Titel «Sentimental» erstmals auf die Leinwand gebracht. Auch die Schweizer Regisseurin Sabine Boss hat sich an die Umsetzung dieses Stoffes heran gemacht, was ihr 2023 mit «Die Nachbarn von Oben» hervorragend gelungen ist. Und nun «The Invite», wohl die krönende Inszenierung dieses Stückes.
Fazit: Dieser Film ist eine grosse Freude, für alle. Er ist intelligent erzählt und zeigt auf höchst unterhaltende Art, wie schwierig Beziehungen sein können und wie es doch Hoffnung gibt. Was für ein Feuerwerk, das einem beschwingt und vielleicht auch etwas nachdenklich aus dem Kino entlässt. Ein Sommerhit erster Klasse!

