PROMIS LE CIEL stellt die Frage, was Heimat, Schutz und Gemeinschaft bedeuten, wenn der Staat seinen Bürger:innen mit Misstrauen und Härte begegnet — wenn Dokumente, Herkunft, Hautfarbe über das Recht auf Existenz entscheiden. Er zeigt einen Raum von prekärer Solidarität, aber auch von Würde, Widerstand und gemeinsamer Hoffnung.
PROMIS LE CIEL – Intimes Porträt über Grenzen, Sehnsucht und Unbequemes
PROMIS LE CIEL | SYNOPSIS
PROMIS LE CIEL ERZÄHLT von drei Frauen aus der Elfenbeinküste — Marie, Naney und Jolie — die in Tunesien leben und versuchen, sich ein Zuhause aufzubauen, obwohl sie rechtlich und gesellschaftlich marginalisiert sind. Die Situation eskaliert, als sie das vierjährige Waisenmädchen Kenza aufnehmen — ein Kind, das angeblich einen Schiffbruch überlebt hat. Diese Entscheidung stellt ihre fragile Gemeinschaft und ihre politische wie soziale Existenz auf eine harte Probe. Der Film zeigt ihren Alltag: das geteilte Heim, die Arbeit, Hoffnungen, Ängste, Träume und die ständige Bedrohung durch Rassismus, Bürokratie und soziale Ausgrenzung. Er schildert, wie sie trotz widriger Umstände versuchen, solidarisch zusammenzuhalten und ein Stück Normalität zu schaffen.
«Wir brauchen keine Papiere, um eine Familie zu sein. Aber ohne Papiere kann uns jeder alles nehmen.»

PROMIS LE CIEL | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Madeleine Hirsiger
Alltag zwischen Hoffnung und Gefahr
Fast täglich hören wir von Menschen, die von Afrika Richtung Europa aufbrechen, wo sie sich ein besseres Leben erhoffen. Die halsbrecherischen Überfahrten im Mittelmeer bezahlen sie oft mit dem Leben. Darunter sind auch immer viele Frauen und Kinder.
Schiffbruch hat angeblich auch die vierjährige Kenza erlitten. Das Mädchen wurde gerettet und wird nun in Tunis vorerst von drei Frauen betreut, die sie als Erstes in ein schaumiges Bad stecken. Es ist unklar, woher das Kind stammt; auf Fragen gibt es nur bruchstückhafte Antworten – auch auf jene nach dem Unglück. Die Frauen beschliessen, Kenza vorläufig zu behalten, im Wissen, dass dies eigentlich verboten ist.
Drei Frauen, ein fragiles Gleichgewicht
Die quirlige Kenza macht den Anfang der Geschichte und nimmt uns sofort mit in ein lebendiges, buntes, auch chaotisches Milieu. Da ist Marie, eine evangelische Pastorin, die ihr Zuhause immer wieder in einen Gebetsraum umfunktioniert, Jolie, eine emanzipierte Studentin, und Naney, die sich mit allerlei Geschäften über Wasser hält. Sie teilen sich eine Wohnung.
Doch Kenza macht ihr Leben auch komplizierter. Die drei Frauen sind ständig mit dem täglichen Überleben konfrontiert, spüren die Überwachung des Staates, polizeiliche Repressionen und Diskriminierungen. Überall lauern Gefahren: Der Gottesdienst wird scharf beobachtet, Jolies Studentenkarte soll plötzlich nichts mehr wert sein, sie wird verhaftet, und Naney, die verbotenerweise mit Alkohol handelt, wird von Marie vorübergehend aus der Wohnung geworfen. Jede kämpft mit ihren eigenen Konflikten – und doch solidarisieren sich die drei Frauen immer wieder miteinander und versuchen, ein Stück Normalität herzustellen. So kämpfen sie um ihre Würde.
Hineingezogen in eine rastlose Gesellschaft
Man muss hinsehen, wird in die Geschichte hineingezogen: Wir werden Teil einer Gesellschaft, in der sich niemand zurücklehnen, durchschnaufen oder zur Ruhe kommen kann. Der Film erinnert auch daran, dass die überwiegende Mehrheit der Migrationsbewegungen innerhalb des afrikanischen Kontinents stattfindet und nur eine Minderheit Europa erreicht. So entscheidet sich Naney am Ende, von Tunis wieder zurück an die Elfenbeinküste zu kehren.
Sichtbarkeit statt Vereinfachung
Die 42-jährige französisch-tunesische Regisseurin und Produzentin Erige Sehiri führt uns in nordafrikanische Verhältnisse ein, die uns wenig bekannt sind. Sie holt Menschen aus dem Schatten ans Licht und erzählt ihre Geschichten. Das gelingt ihr eindrücklich mit einer direkten und kraftvollen Inszenierung. Es gibt keine Schwarz-Weiss-Optik; Widersprüche bleiben sichtbar. Sehiri lebt in Tunis und ist eine aktive Bürgerin, die sich filmisch wie politisch für bessere Zustände in ihrem Land engagiert. Die Figur des Mädchens Kenza kam erst spät ins Drehbuch: Sehiri wurde von einem kleinen Mädchen erzählt, das bei einer Überfahrt im Mittelmeer ertrunken war. Mit der Einführung von Kenza wollte sie ein Zeichen setzen.
Fazit: Der Film hält fest, was oft übersehen wird: Würde entsteht hier nicht aus Hoffnung, sondern aus Widerstand. Und selbst der ist brüchig.

PROMIS LE CIEL | MEHRWERT IN SCHLAGWORTEN
Soziale Realität: Der Film sensibilisiert für soziale Realitäten jenseits Europas — eine Sichtweise, die selten gezeigt wird, aber wichtig bleibt.
Würde und Zerbrechlichkeit: Er zeigt, wie Migration und Exil nicht nur politische Schlagzeilen sind, sondern das tägliche Leben, das Zuhause, die Existenz.
Prekären Verhältnisse: PROMIS LE CIEL ist ein mutiger, notwendiger Film – nicht bequem, nicht glamourös, aber echt. Er zwingt uns, hinzuschauen: auf Menschen, die oft unsichtbar bleiben; auf das zarte Geflecht von Gemeinschaft in prekären Verhältnissen; auf das, was Heimat bedeuten kann oder nicht bedeuten darf.
Opfer und Helden: Er trennt nicht sauber zwischen Opfern und Helden, sondern zeigt Menschen mit Schwächen, Hoffnungen, Widersprüchen. Und gerade diese Ehrlichkeit macht ihn kraftvoll. Für ein Publikum, das bereit ist zuzuhören und hinzusehen, ist er eine eindringliche Einladung zu Solidarität, Empathie und Reflexion.
Keine einfachen Antworten: Der Film stellt Fragen – nach Identität, Zugehörigkeit, Solidarität – ohne einfache Antworten zu liefern. Er bleibt ein Appell zur Empathie, zum Nachdenken, zur Sichtbarkeit.
