Vom 13. bis 17. Mai 2026 lädt das Bildrausch Filmfest Basel dazu ein, Kino nicht nur zu schauen, sondern zu erleben – als Ort der Reibung, der Begegnung und der Zuversicht. Und mit seinem Festivlamotto «Mit Zuversicht, und du?» haben die Macher:innen den Nerv der Gegenwart getroffen. Zwischen globaler Unsicherheit und individueller Orientierungslosigkeit setzt Bildrausch auf radikales Kino. Nicht als Eskapismus, sondern als Möglichkeitsraum.
Mit Zuversicht ins Ungewisse: Das Bildrausch Filmfest Basel 2026
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Im Flackern der Möglichkeiten
Was kann Film heute noch bewirken? Die Antwort, die das Bildrausch Filmfest Basel gibt, ist ebenso poetisch wie politisch: Zuversicht ist kein Zustand, sondern ein Verb. Sie entsteht im Moment – im Dunkel des Kinosaals, im Flackern der Leinwand, im Gespräch danach. Die rund 30 ausgewählten Lang- und Kurzfilme folgen keiner Konvention. Kuratiert von der künstlerischen Leiterin Susanna Guggenberger, versammelt das Programm Arbeiten, die sich dem Erwartbaren entziehen: mal laut und konfrontativ, mal still und meditativ. Ein Kino für Mutige – und für Neugierige.
Zwei Eröffnungsfilme
Nicht nur einer sondern gleich zwei Filme eröffnen das Festival: EVERYTHING ELSE IS NOISE von Nicolás Pereda zerlegt mit feinem Humor die Illusion künstlerischer Kontrolle. Ein Interview kippt, Realität drängt sich ein, und das Bild gerät ins Wanken. 100 SUNSET von Kunsang Kyirong folgt einer stillen Beobachterin in Toronto, die durch ihre Kamera Leben sammelt – und Grenzen überschreitet. Beide Filme stehen exemplarisch für ein Kino, das nicht erklärt, sondern irritiert – und darin seine Kraft entfaltet.
Gespräche, Labyrinthe und offene Räume
Bildrausch denkt Kino konsequent weiter. In den sogenannten Tischgesprächen verschwimmen die Rollen zwischen Publikum und Filmschaffenden – Diskussion wird hier nicht angehängt, sondern mitgedacht. Ein Forum mit dem Hoffnungsforscher Andreas Krafft erweitert das Thema Zuversicht über die Leinwand hinaus. Und wer schon vor Festivalbeginn eintauchen will, folgt dem Pflanzenkenner Peter Steiger auf einen sinnlichen Waldspaziergang. Zwischen Virtual Reality und Live-Performances von Jelena Januskevic und Ruth Baettig wird Kino zur begehbaren Erfahrung – zur Architektur aus Bildern, Körpern und Stimmen.
Ein besonderer Fokus gilt dem Werk von Nicolás Pereda. Seine Filme kreisen um Identität, Wiederholung und das Spiel mit Realitätsebenen – oft mit einem festen Ensemble gedreht. Neben dem Eröffnungsfilm zeigt Bildrausch auch FAUNA und COPPER und entfaltet damit ein filmisches Universum, in dem Alltag zur Bühne wird und Rollenbilder ständig verrutschen. Auch die Schweizer Kurzfilme greifen das Thema Zuversicht auf. In Kooperation mit den Solothurner Filmtagen entstehen filmische Miniaturen über Parallelwelten: zwischen Bürokratie und Jazz, zwischen Stille und Wahrnehmung. Das Bildrausch Filmfest Basel will, gemäss senen Macher:innen, kein Festival der schnellen Antworten sein. Sondern eines, das Fragen stellt – und Räume öffnet. Man will Zuversicht nicht behaupten, sondern erfahrbar machen.