Im Zentrum steht die elfjährige Chaya, die mit ihrer Familie in einem kleinen Ort in den Landes nahe der französischen Atlantikküste lebt. Als der Familie die Abschiebung droht, flieht der Vater überstürzt. Chayas älterer Bruder Nour fällt daraufhin in einen unerklärlichen Tiefschlaf. Er leidet am sogenannten Resignationssyndrom. Chaya versucht, ihn zurückzuholen – und dringt dabei immer tiefer in seine Träume ein.
LES YEUX VERTS – zwischen Sozialdrama und Traumwelt
- Publiziert am 4. August 2026
Der Film von Fanny Liatard und Jérémy Trouilh eröffnet als Weltpremiere das 79. Locarno Film Festival auf der Piazza Grande.
LES YEUX VERTS | ALPTRAUM UND WIRKLICHKEIT
LES YEUX VERTS verbindet zwei Ebenen: ein politisches Sozialdrama über Flucht, einen prekären Aufenthaltsstatus, die Angst vor Ausschaffung und die psychischen Folgen eines Lebens in permanenter Unsicherheit – und poetisches Fantasykino. Chayas Reise in die Traumwelt ihres Bruders dürfte die realistische Geschichte zunehmend in märchenhafte und surreale Bilder überführen. Das erinnert an den ersten Langfilm des Regieduos, GAGARINE – EINMAL SCHWERELOS UND ZURÜCK. Auch dort verwandelten Fanny Liatard und Jérémy Trouilh ein konkretes gesellschaftliches Problem – den Abriss einer Pariser Wohnsiedlung – in ein visuell verspieltes, beinahe kosmisches Märchen. LES YEUX VERTS scheint dieses Prinzip weiterzuführen: Politische Wirklichkeit wird nicht nur realistisch abgebildet, sondern durch die Fantasie eines jungen Menschen emotional erfahrbar gemacht.
Für die Piazza Grande ist das eine mutige Eröffnungswahl: kein glamouröses Starvehikel, sondern ein politischer Film über eine geflüchtete Familie, erzählt aus der Perspektive eines Kindes. Gleichzeitig dürfte die fantastische Traumebene genügend visuelle Kraft und emotionale Zugänglichkeit für die grosse Leinwand bieten.
Besonders spannend wird sein, ob es Liatard und Trouilh gelingt, das Resignationssyndrom sensibel darzustellen, ohne das Leiden des Jungen lediglich als Ausgangspunkt für bildgewaltige Traumsequenzen zu verwenden. Aufgrund von GAGARINE darf man jedoch einen visuell starken, empathischen und durchaus publikumswirksamen Eröffnungsfilm erwarten.
Nach der Premiere am 5. August 2026 wissen wir mehr!