Zwei junge Menschen verlieben sich, wenige Stunden später ist eine von ihnen tot. Was nach dem Ende einer Liebesgeschichte klingt, ist bei Fatih Akin erst ihr Anfang. GEISTER erzählt von 40 Nächten zwischen Leben und Tod und verbindet ein uraltes Motiv mit Manga-Ästhetik, Melodram und einer grossen Liebeserklärung an Hamburg.
GEISTER– Eine Liebe für 40 Nächte
GEISTER | SYNOPSIS
Farasha (Mariam Dawoud) und Faris (Eren M. Güvercin) sind 20, als sie sich auf einer Abiparty begegnen – ein Blick, der alles verändert. Doch noch in derselben Nacht stirbt Farasha. Auf der verzweifelten Suche, Kontakt zu Faris aufzunehmen, findet Farasha einen Weg: Sie kann ihn treffen, jedoch nur in seinen Träumen und nur für 40 Nächte. So wächst ihre Liebe bis zur letzten Nacht.
Für uns gesehen hat den Film in San Sebastian Geri Krebs
40 Nächte
Die zwanzigjährige Deutsch-Syrerin Farasha und der gleichaltrige Deutschtürke Faris lernen sich auf einer Abiturfeier in Hamburg kennen. Zwischen den beiden funkt es sofort. Doch auf der Heimfahrt kommt es zu einem schweren Autounfall. Faris überlebt verletzt, Farasha stirbt noch am Unfallort. Während Faris im Spital erst allmählich realisiert, was geschehen ist, begegnet Farasha als Geist ihrem wenige Monate zuvor verstorbenen Vater. Von ihm erfährt sie, dass die Toten während der vierzigtägigen Trauerzeit der Lebenden noch unter ihnen weilen können. Farasha findet einen Weg zu Faris zurück: in seinen Träumen. Nacht für Nacht erleben die beiden nun jene stürmische Liebe, die ihnen im wirklichen Leben nicht vergönnt war. Gleichzeitig läuft die Zeit unerbittlich weiter. Denn irgendwann ist auch die vierzigste Nacht vorbei.
Zwischen Manga und Melodram
Fatih Akin erzählt diese unmögliche Liebe in betörenden Schwarz-Weiss-Bildern. Immer wieder wird die monochrome Welt kurz von farbigen, an Mangas erinnernden Sequenzen durchbrochen, die markieren, wie viele Tage bereits vergangen sind. Damit bekommt die Geschichte etwas Märchenhaftes – obwohl der Tod vom ersten Moment an präsent ist. GEISTER greift ein Motiv auf, das weit älter ist als das Kino: die Liebe, die selbst die Grenze zwischen Leben und Tod überwinden will. Orpheus und Eurydike erzählen davon ebenso wie später Filme wie GHOST oder Wim Wenders’ DER HIMMEL ÜBER BERLIN. Akin weiss um diese Tradition, versucht aber gar nicht erst, ihr mit ironischer Distanz zu entkommen. GEISTER darf darum auch sentimental sein.
Traum und Erinnerung
Der Film scheut weder grosse Gefühle noch Pathos und bewegt sich dabei lustvoll an jener Grenze, an der Kunst jederzeit in Kitsch kippen könnte. Dass er sie gelegentlich überschreitet, gehört zum Konzept. Akin vertraut darauf, dass eine grosse Liebesgeschichte auch heute noch gross erzählt werden darf. Dabei ist GEISTER nicht nur eine Liebeserklärung an Farasha und Faris, sondern ebenso an Hamburg. Die Stadt wird zum realen Gegenpol einer Geschichte, in der Traum, Erinnerung und Jenseits zunehmend ineinanderfliessen.
Fazit
Mit GEISTER zeigt Fatih Akin eine überraschend romantische Seite. Ausgerechnet die Geschichte zweier Menschen, denen kaum gemeinsame Lebenszeit bleibt, wird bei ihm zu einer Feier der Liebe – so genial wie sentimental.