Mit FUORI kehrt Mario Martone zu einem Thema zurück, das sein Werk seit jeher prägt: Freiheit als fragile, widersprüchliche Erfahrung. Im Rom der frühen 1980er-Jahre folgt Martone der Schriftstellerin Goliarda Sapienza, die das Gefängnis verlassen hat und draussen merkt, dass Freiheit kein Zustand ist, sondern ein Prozess.
FUORI – draussen beginnt das Eigentliche
- Publiziert am 2. Februar 2026
FUORI | SYNOPSIS
Rom, 1980. Die Schriftstellerin Goliarda Sapienza, bekannt durch den epochalen Roman «Die Kunst der Freude», landet wegen wegen Schmuckdiebstahls im Gefängnis, doch die Begegnung mit einigen jungen weiblichen Insassinnen erweist sich für sie als eine Art Wiedergeburt. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis, in einem heissen italienischen Sommer, treffen sich die Frauen weiterhin, und Goliarda knüpft eine tiefe Beziehung zu Roberta, einer gewöhnlichen Straftäterin und politischen Aktivistin. Eine Beziehung, die kein Aussenstehender verstehen kann, durch die Goliarda aber die Freude am Leben und den Drang zum Schreiben wiederentdeckt.

Absturz, Haft und Selbstbehauptung – Goliarda Sapienza und die Erfahrung von Freiheit
Goliarda Sapienza (1924–1996) war eine italienische Autorin, deren Werk «L’arte della gioia» (Die Kunst der Freude) erst posthum weltweite Anerkennung fand. Der Film beleuchtet eine Phase ihres Lebens, in der sie mit gesellschaftlichen Normen, ihrer Identität und den Grenzen der Freiheit ringt – thematisch stark verwoben mit weiblicher Solidarität und Emanzipation. Sie war 1980 wegen Diebstahls im Gefängnis. Konkret hatte sie in einer schwierigen persönlichen und finanziellen Phase Schmuck einer Bekannten gestohlen. Sapienza sprach später offen darüber: Die Tat war weniger kriminelle Energie als Ausdruck einer existenziellen Krise – geprägt von Geldnot, psychischer Instabilität und dem Gefühl, gesellschaftlich gescheitert zu sein. Ihre Haftzeit wurde für sie jedoch prägend. In Rebibbia, dem Frauengefängnis in Rom, erlebte sie eine intensive Gemeinschaft mit anderen Frauen. Aus diesen Erfahrungen entstand später ihr autobiografisches Buch «L’università di Rebibbia», das auch die zentrale Grundlage für FUORI bildet.
Gerade dieser Widerspruch – persönlicher Absturz und zugleich ein neuer Blick auf Solidarität, Klasse und weibliche Selbstbehauptung – macht ihre Geschichte und Martones Film so stark.
