Der Film basiert auf dem gleichnamigen Musical, das in der Schweiz Kultstatus erlangte und über 700’000 Zuschauer:innen begeisterte. Nun hat Pierre Monnard den Stoff fürs Kino adaptiert – und wir bringen es gleich auf den Punkt: Er kann es einfach. Monnard erzählt Emotionen so direkt und präzise, dass sie tragen, auch wenn EWIGI LIEB lieber auf Wirkung als auf Wagnis setzt.
EWIGI LIEBI – Schweizer Liebesfilm zwischen Nostalgie und Gegenwart
Mit HALLO BETTY gelang dem Schweizer Regisseur Pierre Monnard ein Kassenschlager. EWIGI LIEBI punktet genau so.
EWIGI LIEBI | SYNOPSIS
Heidi und Daneli sind Anfang 50, als sie sich nach 30 Jahren wieder begegnen. Beide stammen aus Trueb im Emmental und waren ineinander verliebt, bis sich ihre Wege trennten, weil sich Daneli nach einer Lüge seines Bandkumpels Ferdinand auf eine Nacht mit der Dorfschönheit Sabe einliess. Doch Heidi erwischte sie, wendete sich von Daneli ab und heiratete Ferdinand. Heute führt Daneli einen Musik-Plattenladen in Zürich, muss diesen aber wegen Sanierung räumen. Bauherrin ist ausgerechnet Heidi, die mit Ferdinand eine Immobilienfirma führt. So begegnen sich die beiden wieder und würden alles dafür geben, könnten sie die Zeit zurückdrehen…

EWIGI LIEBI | REZENSION
Oberkitsch, aber verdammt gut gemacht
Nach PLATZSPITZBABY und HALLO BETTY – und nach diversen erfolgreichen TV-Serien wie WILDER – bringt Regisseur Pierre Monnard mit EWIGI LIEBI einen weiteren grundsoliden, handwerklich perfekten Schweizer Wohlfühl-Movie in unsere Kinos. Das ist grosses Gefühlskino mit offenem Visier: emotional, zugänglich, publikumsnah. Und ja: es ist Oberkitsch – aber raffiniert umgesetzt. Auch das ist grosse Kunst.
Schauspielerisch auf den Punkt
Dass dieses Gefühlskino so gut funktioniert, liegt massgeblich am Ensemble. Susanne Kunz läuft zur Hochform auf: präzise, warm, glaubwürdig. Sie verleiht ihrer Figur Tiefe und Erdung – und trägt den emotionalen Kern des Films mit grosser Selbstverständlichkeit. Ebenso überzeugend ist Pasquale Aleardi als erwachsener Dänu: präsent, souverän, mit jener Mischung aus Charme und Verletzlichkeit, die das Publikum mühelos mitnimmt. Elena Flury als jugendliche Heidi liefert eine warm-authentische Performance, die der zentralen Liebesgeschichte Boden und Herz verleiht. Und dann ist da Luca Hänni. Man merkt zwar, dass er kein klassisch ausgebildeter Schauspieler ist – aber mit seinen treuen Augen und seinem Charme ist das schnell gegessen. Seine Natürlichkeit wirkt nicht aufgesetzt, sondern offen und direkt – und das passt perfekt zu dieser warmherzigen Geschichte.

Liebe, Zeitreise, zweite Chance
Die Handlung ist ein kluges Spiel mit Nostalgie und Zeit: EWIGI LIEBI erzählt, wie Daneli und Heidi, einst grosse Jugendliebe, sich 30 Jahre nach ihrer Trennung wieder begegnen – und durch eine skurrile Zeitreise-Fügung hoffen, ihre gemeinsame Vergangenheit korrigieren zu können. Vielleicht lässt sich das Leben ja doch noch einmal neu schreiben, vielleicht sogar das Glück retten. Dabei verknüpft der Film romantische Komödie mit musikalischen Momenten und zeitgeistigen Pop-Klassikern aus der Deutschschweiz. Diese Mischung verleiht dem Film einen eigenständigen Charakter zwischen Rückblick und Gegenwart, zwischen Melancholie und Hoffnung – und macht aus der Liebesgeschichte mehr als bloss eine sentimentale Wiederbegegnung.

Musical-Vorlage – aber deutlich mehr Film
EWIGI LIEBI basiert auf dem gleichnamigen erfolgreichsten Schweizer Musical aller Zeiten, das 2007 von Roman Riklin (Konzept & Autor) gemeinsam mit Dominik Flaschka (Regie der Bühne) in der Maag Halle Zürich uraufgeführt wurde und über 720 000 Zuschauer:innen begeisterte. Während das Musical im Wesentlichen als Aneinanderreihung legendärer Mundarthits funktionierte, geht der Kinofilm einen entscheidenden Schritt weiter. Der Plot ist wesentlich raffinierter, klarer gebaut, emotional stringenter – was nicht zuletzt dem Drehbuch von Urs Bühler zu verdanken ist. Ihm gelingt es, aus der musikalischen Vorlage eine echte filmische Erzählung zu formen, die auch jenseits der Songs trägt. Gleichzeitig beweist Pierre Monnard grosses Gespür für Balance: Schauspiel und Musik stehen in einem stimmigen Verhältnis, nichts wirkt wie blosses Fanservice-Beiwerk. EWIGI LIEBI funktioniert deshalb auch dann, wenn man den ikonischen Song EWIGI LIÄBI von Mash – der Song hielt sich über mehrere Wochen in den Toppositionen der Schweizer Hitparade und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Mundart-Popsongs seiner Zeit –nicht seit Jahren auf der eigenen Playlist rauf und runter hört.
Fazit
EWIGI LIEBI will nicht neu erfinden, wie Kino funktioniert. Er will berühren und unterhalten – und das tut er. Mit professionellem Handwerk, starken Darsteller:innen und einer emotional klaren Handschrift liefert Pierre Monnard genau das, was er am besten kann: Schweizer Mainstream-Kino als Wohl-Fühl-Booster auf hohem Niveau. Man darf das kitschig finden. Man darf die Mechanik dahinter erkennen. Aber man sollte Unterhaltung nicht abwerten. Denn gerade gute Unterhaltung zu bieten – emotional präzise, handwerklich souverän, publikumsnah ohne banal zu sein – ist vielleicht die anspruchsvollste Kunstform überhaupt.
Und genau darin liegt die Qualität von EWIGI LIEBI.
Für uns gesehen hat den Film Felix Schenker
