Mit LAUNDRY verdichtet Zamo Mkhwanazi einen scheinbar banalen Ort zu einem präzisen sozialen Raum. Zwischen laufenden Maschinen, flüchtigen Blicken und unausgesprochenen Regeln entfaltet sich ein Kammerspiel, das Machtverhältnisse, Verletzlichkeit und die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen sichtbar macht. Leise, konzentriert und von beklemmender Genauigkeit.
LAUNDRY: Ein junger Musiker zwischen Traum und Apartheid
LAUNDRY | SYNOPSIS
Johannesburg, 1968. Khuthala hasst die Wäscherei seines Vaters und will das Familienunternehmen nicht übernehmen. Doch die Apartheid-Regierung geht hart gegen das Firmeneigentum von Schwarzen vor. Khuthala ist daher hin- und hergerissen zwischen der Verwirklichung seiner eigenen Träume, Musiker zu werden, und dem Kampf gegen die Ungerechtigkeit, die das Unternehmen bedroht, das die einzige Lebensgrundlage und der Kitt ist, der die Familie zusammenhält.

LAUNDRY | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Madeleine Hirsiger
EIN BRÜCHIGER FRIEDEN
Wir sind im Jahr 1968, mitten in der Zeit der Apartheid in Südafrika. Im Zentrum der Geschichte steht eine Grosswäscherei in Johannesburg. Enoch (Siyabouga Shibe) führt das Geschäft gemeinsam mit seiner Frau, einer lebhaften Tochter und einem musikalisch begabten Sohn. Enoch hofft, dass der 16-jährige Khuthala (Ntobeko Sishi) eines Tages den Familienbetrieb übernehmen wird. Alles scheint in Ordnung zu sein: Die Familie führt ein gutes Leben, die Kundschaft – darunter auch viele Weisse – sind zahlreich, und es herrscht ein gewisser Wohlstand. Doch der Friede ist brüchig.
Schon bald steht ein Beamt im Laden mit dem Auftrag, die Liegenschaft zu vermessen. Das Haus soll konfisziert werden, denn es steht, wie es heisst, im weissen Teil der Stadt. Es beginnt ein Kampf um die Rechte, die der schwarzen Bevölkerung eigentlich zustehen. Obwohl Enoch ein «freigestellter Eingeborener» ist, also etwas bessergestellt als die anderen, wird er von weissen Beamt im Rathaus beschimpft, gedemütigt, erniedrigt und eingeschüchtert. Als er sich verbal zu wehren beginnt, landet Enoch unverzüglich im Gefängnis. Er hat keine Chance.
DIE LEIDENSCHAFT FÜR DEN JAZZ
Khuthala wäre nun im Geschäft gefragt, doch das interessiert ihn wenig. Seine grosse Leidenschaft ist der Jazz. Er spielt mehrere Instrumente – und das ziemlich gut – und wird dabei auch von seinen Eltern unterstützt. Trotzdem scheint seine Zukunft bereits besiegelt zu sein.
Heimlich trifft er sich mit Lilian (Tracy September), einer grossen Jazzsängerin, die ihre Wäsche ebenfalls zu Enoch bringt. Nach mehrmaliger Ablehnung darf er ihr und ihrer Band vorspielen – und überzeugt. Doch Lilian hat andere Pläne: Sie hat ein Angebot aus Amerika, Miriam Makeba und Harry Belafonte warten offenbar auf sie. Khuthala sieht seine musikalische Zukunft dahinschwinden, obwohl alle wissen, dass eine Ausreisebewilligung für Schwarze praktisch nie erteilt wird.
EINE MORALISCHE GRENZE
Als sein Vater im Gefängnis brutal zusammengeschlagen wird, beginnt für Khuthala eine neue Realität. Er versucht mit allen Mitteln, ihn dort herauszuholen, und begeht eine Tat, die ihn in grosse moralische Abgründe führt – eine Entscheidung, mit der er Freundschaften und die eigenen Ambitionen verrät.
Doch die Welt der Apartheid ist unerbittlich. Die Hürden, um etwas zu erreichen, sind sehr hoch, und die Erpressbarkeit ist allgegenwärtig. Es ist eine Geschichte über Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit. Und dennoch schwingt Hoffnung mit – eine Hoffnung allerdings, die hart erarbeitet werden muss.
LAUNDRY wurde weltweit an zahlreichen Festivals gezeigt und kam auch an den Solothurner Filmtagen zur Aufführung.
FAZIT
LAUNDRY geht unter die Haut. Zamo Mkhwanazi erzählt präzise und kraftvoll von einem System, das Menschen entrechtet und dennoch ihren Mut nicht brechen kann. Stark gespielt, atmosphärisch dicht und voller überraschender Wendungen ist der Film ein bewegendes Drama über Würde, Leidenschaft und Widerstand – und eine Schweizer Koproduktion, die jeden Franken wert ist.

