Mit Ursula Andress verbinden viele bis heute vor allem eine Szene: weisser Bikini, Messer am Gürtel, das Meer von Jamaika – und Sean Connery als James Bond. Diese Bilder machten die Bernerin 1962 weltberühmt und sie schrieb Filmgeschichte. Doch er überstrahlte auch eine Karriere, die wesentlich vielseitiger, eigenwilliger und spannender war, als es das Etikett «Bond-Girl» vermuten lässt. Mit dem Spezialprogramm «Histoires» werden die Solothurner Filmtage Ursula Andress nun erstmals in der Schweiz eine umfassendere Würdigung widmen.
URSULA ANDRESS – Mehr als das Bond-Girl
- Publiziert am 15. September 2026
Sie wurde 1962 mit DR. NO über Nacht zur Ikone. Die Solothurner Filmtage 2027 werden zeigen: Da ist weit mehr.
Rund zehn Filme werden in Solothurn die verschiedenen Facetten ihres Schaffens sichtbar machen: die glamourösen ebenso wie die komischen, subversiven und heute weniger bekannten. Ergänzt wird die Retrospektive durch Gespräche mit Weggefährt:innen, Filmschaffenden und Persönlichkeiten aus ihrem Umfeld.
Vom Sexsymbol zur selbstbestimmten Frau
Ursula Andress (*1936) gehörte zu den wenigen Schweizer Schauspielerinnen, die tatsächlich Weltkarriere machten. Sie spielte mit Elvis Presley, Frank Sinatra, Sean Connery, Marcello Mastroianni, Alain Delon oder Charles Bronson. Gleichzeitig interessierte sich die Öffentlichkeit oft stärker für die Männer an ihrer Seite – und für ihre Beziehungen zu James Dean oder Jean-Paul Belmondo – als für ihre eigene künstlerische Leistung. Dabei lohnt sich ein zweiter Blick. Andress verkörperte Frauen, die keineswegs nur dekoratives Beiwerk waren. In LA DECIMA VITTIMA von Elio Petri aus dem Jahr 1965 spielt sie eine ebenso elegante wie tödliche Jägerin. Gemeinsam mit Marcello Mastroianni bewegt sie sich durch eine futuristische Gesellschaft, in der das Töten zum medialen Spektakel geworden ist. Der Film hat heute beinahe etwas Prophetisches und zeigt Andress mit Witz, Kälte und einer gehörigen Portion Selbstironie. Auch im Western SOLEIL ROUGE von Terence Young aus dem Jahr 1971 behauptete sie sich neben Alain Delon, Charles Bronson und Toshirō Mifune. Im Schweizer Kino hingegen blieb sie eine seltene Erscheinung. Umso bemerkenswerter ist ihr Auftritt in KLASSEZÄMEKUNFT von 1988.
Die Ikone bleibt fern
Zum Mythos Ursula Andress gehört auch ihre Distanz zum Starrummel. Abseits der Dreharbeiten suchte sie das Rampenlicht kaum, gab nur selten Interviews und trat in den vergangenen Jahren nur noch ausnahmsweise öffentlich auf. Auch zu den Vorführungen in Solothurn wird sie nicht persönlich erscheinen. Das Spezialprogramm will deshalb nicht einfach nostalgisch einer Kinoikone huldigen, sondern ihre Filme neu lesen. Einführungen, Gespräche im Rahmen von «Fare Cinema» sowie eine Podiumsdiskussion mit Filmhistoriker sollen Andress’ Werk in das internationale Star- und Autorenkino der 1960er- und 1970er-Jahre einordnen. Die Solothurner Retrospektive ist aber vor allem eines: eine längst fällige Gelegenheit, Ursula Andress nicht mehr nur als jene Frau zu betrachten, die einst aus dem Meer stieg – sondern als Schweizer Schauspielerin, die sich mitten im internationalen Kino ihrer Zeit behauptete.

