Die Mitglieder von Muralim haben sich während ihres Studiums an der Zürcher Hochschule der Künste kennengelernt und wurden bereits kurz darauf in die Reihe «Best of Swiss Jazz Bachelors» aufgenommen. Die Musik stammt aus der Feder des Saxophonisten Mauro Reimann und wird nach eigenen Angaben beim gemeinsamen «Jammen» durch die Einflüsse aller Bandmitglieder weiterentwickelt. So entstehen Melodien, die eingängig und gleichzeitig raffiniert sind, Grooves, die zum Mitwippen einladen, und dank der grossen Spielfreude der Band eine Atmosphäre schaffen, die die Luft über der Bühne knistern lässt.
Suisse Jazz: Muralim
- Publiziert am 2. Juli 2026
Fünf Stimmen, ein gemeinsamer Klang
Zur Band gehören Mauro Reimann am Saxophon, Joachim Frey an der Gitarre, Tim Bond an Klavier und Synthesizern, Elias Kirchgraber am Bass und Martin Maron am Schlagzeug. Was zunächst als Zusammenarbeit junger Musiker begann, entwickelte sich zu einer festen Formation mit einem zunehmend eigenständigen Klangbild.
Obwohl die kompositorischen Grundlagen hauptsächlich von Mauro Reimann stammen, versteht sich Muralim nicht als Begleitband eines einzelnen Bandleaders. Die Stücke werden im Proberaum gemeinsam geprüft, geöffnet und verändert. Jede Stimme trägt dazu bei, wie sich ein Motiv entfaltet, ein Rhythmus verschiebt oder eine Passage an Spannung gewinnt.
Die Musik bewegt sich damit in einem offenen Feld zwischen Contemporary Jazz, Fusion und Jazzfunk. Klare melodische Linien treffen auf komplexere rhythmische Strukturen, elektronische Klangfarben auf das direkte Zusammenspiel einer klassischen Jazzformation. Entscheidend ist dabei weniger die eindeutige Zuordnung zu einem Genre als die Energie, die zwischen den fünf Musikern entsteht.
Zwischen Präzision und Freiheit
Muralim arbeitet mit klar erkennbaren Kompositionen, lässt den Stücken jedoch genügend Raum, um sich auf der Bühne weiterzuentwickeln. Improvisation erscheint dabei nicht bloss als Abfolge einzelner Soli. Sie ist Teil eines kollektiven Prozesses, bei dem die Musiker aufeinander reagieren und den Verlauf eines Stücks immer wieder neu bestimmen.
Gerade dieses Wechselspiel prägt die Konzerte der Band. Ein Thema kann sich verdichten, auseinanderfallen oder von einem unerwarteten Groove in eine neue Richtung getragen werden. Die Musik bleibt strukturiert, wirkt aber nie festgeschrieben.
Dadurch entsteht ein Jazz, der musikalische Raffinesse nicht als Selbstzweck versteht. Die Komplexität ist vorhanden, drängt sich jedoch nicht in den Vordergrund. Stattdessen setzt Muralim auf Spielfreude, Bewegung und einen direkten Zugang zum Publikum.
Erste Veröffentlichungen
Im Dezember 2023 veröffentlichte die Band ihre erste, selbstbetitelte EP. Die sechs Stücke «acho», «corn da tinizong», «nachtwach», «delta», «empty» und «pluto» erschienen digital sowie in einer auf 50 Exemplare begrenzten Vinylauflage.
Die Aufnahme dokumentiert eine Band, die bereits damals auf ein geschlossenes Zusammenspiel setzte. Saxophon, Gitarre und Tasteninstrumente bilden darin ein bewegliches Klanggeflecht, während Bass und Schlagzeug für rhythmischen Druck und Stabilität sorgen.
Im Oktober 2025 folgte mit «pony» die nächste Veröffentlichung. Das neue Material führte Muralim auch über die Schweizer Landesgrenzen hinaus. Auf zwei Deutschlandtourneen präsentierte das Quintett seine Musik unter anderem einem Publikum in Leipzig und Troisdorf.
Von Zürich nach St. Moritz
Trotz wachsender Konzerttätigkeit bleibt die Band eng mit der Zürcher Jazzszene verbunden. Ende 2025 war Muralim im Moods zu Gast, einem wichtigen Schweizer Spielort für zeitgenössischen Jazz.
Im Juli 2026 folgte der Auftritt am Festival da Jazz in St. Moritz. Das Festival bringt internationale Namen mit ausgewählten Schweizer Formationen zusammen und setzt dabei auf unmittelbare Konzerterlebnisse in teilweise ungewöhnlich intimen Räumen.
Für Muralim bietet ein solcher Rahmen die Möglichkeit, genau jene Qualitäten auszuspielen, von denen ihre Musik lebt: Aufmerksamkeit, Kommunikation und die Bereitschaft, einen einmal eingeschlagenen Weg im entscheidenden Moment wieder zu verlassen.
Muralim versteht Jazz nicht als abgeschlossenes musikalisches Vokabular, sondern als gemeinsame Arbeitsweise. Die Komposition bildet den Ausgangspunkt. Was daraus entsteht, entscheidet sich im Zusammenspiel.