Das Schweizer Duo TWO & THE SUN verbindet tanzbare Leichtigkeit mit poetischem Tiefgang und schafft einen Sound, der sich zwischen Indie, Pop und Folk bewegt, durchzogen von Soul- und Jazz-Nuancen. Charakteristisch sind die beiden Stimmen von Steffi und Joni, die nicht nur auf der Bühne ein Paar sind, sondern auch privat. Die beiden erzählen musikalische Geschichten. Humor und Tiefgang wechseln sich ab, Nähe und Authentizität sind spürbar. arttv.ch hat das sympathische Duo am Festival da Jazz in St. Moritz zum Interview getroffen.
Suisse Jazz: Two & The Sun
Für arttv.ch am Festival da Jazz St. Moritz getroffen hat die beiden, arttv.ch Chefredaktor Felix Schenker.
Ihr beschreibt eure Musik als «Musik für die Dämmerung». Was passiert in diesem Moment zwischen Tag und Nacht, das euch so sehr interessiert?
Steffi: Unsere Musik ist Musik für die Dämmerung – oder für den Moment, in dem die Berge pink leuchten. Es ist ein Zwischenzustand, in dem man sich gleichzeitig wohl und vielleicht auch etwas verloren fühlt. Ich selbst bin oft so unterwegs: In einem Moment bin ich «happy clappy», im nächsten könnte ich weinen, weil sich plötzlich alles schwer anfühlt. Unsere Musik soll genau diese unterschiedlichen Stimmungen aufnehmen und Leichtigkeit in jene Momente bringen, in denen man sich schwer fühlt.
Joni: Ein schönes Bild dafür ist der Sonnenuntergang: Bleibst du stehen und lässt es dunkel werden, oder bleibst du in Bewegung und folgst der Sonne? Für uns steht das dafür, den Blick immer wieder bewusst auf das Schöne und Gute zu richten.
Ihr seid ein Paar, Eltern und ein musikalisches Duo. Wie trennt ihr Liebe, Alltag und künstlerische Arbeit – oder wollt ihr das gar nicht trennen?
Joni: Wir würden die künstlerische Arbeit und unsere Beziehung eigentlich gerne weniger voneinander trennen. Manchmal wünschte ich mir, dass zwischen all den To-dos mehr Platz für die Liebe bliebe.
Steffi: Vieles verschwimmt miteinander. Was wir während der Woche erleben, nehmen wir mit in die Probe. Und wenn wir vor einem Konzert einmal in Ruhe zusammen essen können, fühlt sich das beinahe wie ein Date an. Diese Verbindung ist schön, kann aber auch anstrengend sein.
Eure Konzerte werden oft als sehr nah und fast wohnzimmerartig beschrieben. Wie schafft ihr diese Intimität auch auf grösseren Bühnen?
Steffi: Auf grossen Bühnen ist das schwieriger. Wir erzählen sehr gerne etwas zu unseren Songs, weil das die Musik nahbarer macht. Bei Wohnzimmerkonzerten funktioniert das besonders gut, auf grösseren Bühnen müssen wir uns etwas kürzer fassen.
Joni: Trotzdem sprechen wir auch dort über die Hintergründe der Lieder. Wir merken, dass das Publikum diese Geschichten schätzt. Selbst wenn jemand den englischen Text nicht versteht, kann der Song dadurch etwas auslösen.
Ihr habt mit Wohnzimmerkonzerten begonnen und steht heute auf Festivalbühnen. Was habt ihr auf diesem Weg gewonnen – und was wollt ihr auf keinen Fall verlieren?
Joni: Auf Festivalbühnen spielen wir oft mit Schlagzeug und Keyboard. Musikalisch ist das ein grosser Gewinn. Wir fühlen uns freier, und die Songs klingen stärker so, wie wir sie ursprünglich gedacht haben.
Steffi: Gleichzeitig möchten wir das Wohnzimmerformat unbedingt beibehalten. Dort hören die Menschen wirklich zu, und die Musik sowie die Geschichten können sich ganz entfalten. Diese besondere Nähe wollen wir nicht verlieren.
TAKE A BREATH war mit Platz 4 in den Schweizer Charts ein überraschend starker Start. Hat euch dieser Erfolg beflügelt oder auch unter Druck gesetzt?
Beide: (lachen) Ganz klar, er hat uns vor allem beflügelt.
Steffi: Wir haben aber früh gemerkt, dass sich im Radio- und Streamingbereich kaum etwas planen lässt. Manche Songs, von denen man viel erwartet, funktionieren nicht, andere werden plötzlich gespielt.
Joni: Deshalb müssen wir vor allem Freude an dem haben, was wir machen. Was danach passiert, können wir nur begrenzt beeinflussen.
Eure Songs wirken leicht und warm, tragen aber oft auch Melancholie in sich. Wie findet ihr die Balance zwischen Feelgood und Tiefgang?
Steffi: Wir mögen beides. Wenn alles nur melancholisch oder ausschliesslich «happy clappy» wäre, würde uns etwas fehlen. Das widerspiegelt für uns auch das Leben mit seinen Hochs und Tiefs. Beim Songwriting ergänzen wir uns gut: Von Joni kommen eher die fröhlichen Songs, von mir eher die melancholischeren.
Hat das vielleicht auch damit zu tun, dass vorallm du Joni so gut pfeifen kannst? Pfeifen verbindet man ja meist mit Freude und Fröhlichkeit.
Joni: Ja, das stimmt. Trauriges Pfeifen kennt man eher weniger.
Mit SO WIE DÄ habt ihr eine neue Single veröffentlicht. Was erzählt dieser Song über euch im Jahr 2026?
Joni: Wir haben uns für 2026 vorgenommen, mehr der Freude zu folgen und Vorstellungen davon loszulassen, wie etwas sein müsste.
Steffi: Wir möchten stärker feiern und geniessen, was wir als Band machen. Der Song trägt genau dieses Gefühl: Was ist das für ein toller Tag – könnte er nicht noch etwas länger dauern?
Ihr arbeitet an eurer vierten EP. In welche Richtung entwickelt sich euer Sound gerade?
Joni: Bisher habe ich unsere Musik selbst produziert. Nun möchten wir stärker mit unserer Band arbeiten und mehr in Richtung Live-Recording gehen. Das Zusammenspiel und das gemeinsame Kreieren sollen künftig noch stärker im Zentrum stehen. Ob das bereits bei der vierten EP geschieht, ist noch offen.
Was verändert sich musikalisch, wenn ihr zu zweit auftretet – und was kommt hinzu, wenn ihr mit der Band spielt?
Joni: Zu zweit sind wir sehr flexibel und können direkter mit dem Publikum kommunizieren.
Steffi: Mit der Band kommt viel zusätzliche Energie dazu. Ich sitze weniger am Klavier, kann mich freier bewegen, und die Songs klingen voller. Das macht unglaublich viel Spass.
Ihr lebt von der Musik in einem Land, in dem Popmusik zwar viel Publikum, aber oft wenig strukturelle Sicherheit hat. Was braucht es, damit Musiker langfristig gesund arbeiten können?
Stefi: Streaming, künstliche Intelligenz und die Entwicklung des Musikmarkts beschäftigen uns sehr. Im Moment sieht es eher danach aus, dass es schwieriger wird, gut von der Musik zu leben.
Wichtig ist, dass die Rechte bei den Musiker bleiben und Tantiemen fair ausbezahlt werden. Organisationen wie die SUISA und Swissperform setzen sich dafür ein, aber es bleibt ein Kampf gegen grosse Systeme.
Joni: Besonders schwierig ist es für Musik, die nicht dem Mainstream entspricht. Deshalb bleibt auch die Kulturförderung wichtig, gerade im Popbereich.
Ihr seid sehr offen, wenn es um eure Stimmungen, eure Beziehung oder auch um Streit geht. Warum ist euch diese Ehrlichkeit wichtig?
Steffi: Unsere Songs sind stark autobiografisch. Deshalb liegt es nahe, dass wir auch auf der Bühne offen über ihre Hintergründe sprechen.
Joni: Zudem verstehen viele Menschen die englischen Texte nicht vollständig. Durch unsere Erzählungen können sie mehr mitnehmen.
Was macht euch als Musiker:in am meisten happy?
Steffi: Die grösste Genugtuung ist für uns, wenn Menschen nach einem Konzert sagen: «Ihr habt mir aus dem Herzen gesprochen.»
Vielen Dank für das Gespräch
