Vom 24. September bis 18. Oktober 2026 untersucht die 59. Festivalausgabe unter dem Titel RED FLAGS, wie sich politische Konflikte bis in unsere Wohnungen, Beziehungen und Körper einschreiben. Das Festival verspricht keinen Trost, sondern Kunst, die dort hinschaut, wo Europa lieber wegsehen würde.
RED FLAGS – Hallo Krise
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«Red Flags» stehen heute nicht nur für Warnzeichen in problematischen Beziehungen. Politisch wird längst alles zur roten Fahne erklärt, was von Gleichberechtigung, Solidarität oder gesellschaftlicher Verantwortung spricht. Antidiskriminierungsprogramme werden gekürzt, Migrant abgeschoben, patriarchale Werte rehabilitiert und zeitgenössische Kultur finanziell ausgehungert.
Der steirische herbst hält dagegen und beansprucht Raum für jene Konflikte, die reaktionäre Kräfte verdrängen möchten.
WRESTLING, CLUBKULTUR UND POLITISCHE WUT
Eröffnet wird das Festival am Grazer Karmeliterplatz mit Julian Warners NO SURRENDER: KAMPF UM DIE MODERNE, einer musikalischen Performance samt Wrestlingmatch. In der Helmut List Halle verbindet Alex Baczyński-Jenkins anschliessend in ANGELIC CONVERSATIONS Clubkultur, christliche Bildwelten, queere Körper und politische Wut.
Zum weiteren Programm gehören Arbeiten von Xenia Koghilaki, Francesca Grilli, Azade Shahmiri, Lina Majdalanie & Rabih Mroué sowie den Rabtaldirndln. Verhandelt werden unter anderem Faschismus, Femizid, Migration, historische Erinnerung und die politische Kraft des Rückzugs.
VOM SCHNITZELLOKAL ZUR KUNSTWELT
Zentrum des Festivals ist ein leer stehendes Haus am Griesplatz 34, in dem zuletzt eine Schnitzelkette untergebracht war. Künstler verwandeln die Räume in immersive Welten voller feministischer Sektenmitglieder, postkolonialer Detektive, Kunstwelt-Vampire und Camgirls in Schützengräben.
Der ungewöhnliche Ausstellungsort bringt die politische Idee des Festivals auf den Punkt: Die grossen Konflikte unserer Zeit stehen nicht mehr vor der Tür. Sie sind längst eingezogen.
FAZIT
RED FLAGS ist Kunst als Alarmzustand. Der steirische herbst ’26 zeigt eine Gesellschaft, in der demokratische Grundlagen brüchig werden und politische Toxizität ins Private sickert. Gerade deshalb wirkt dieses Festival so unmittelbar: Es macht sichtbar, dass die Krise nicht irgendwo stattfindet, sondern mitten in unserem Alltag.