Carl Böckli (1889–1970), besser bekannt unter seinem Kürzel Bö, war von den 1920er- bis in die 1960er-Jahre Karikaturist und Redaktionsmitglied des damals als Satiremagazin bekannten «Nebelspalter» in Rorschach. Mit Verve und Scharfsinn beobachtete der in Heiden Lebende seine Umgebung und kommentierte in seinen Karikaturen die Conditio Helvetica ebenso wie das Weltgeschehen. Seine Zeichnungen machten ihn schweizweit zu einem der bekanntesten Kritiker von Hitlerdeutschland und dem Sowjetstalinismus – im Spannungsfeld zwischen Zivilcourage und Geistiger Landesverteidigung.
KARIKATUREN GEGEN DEN TOTALITARISMUS
Eine Ausstellung über Carl Böcklis scharfsinnige Karikaturen – und was sie heute zu sagen haben!
Der Popoburger
Es gaht en böse Schturm ums Huus,
Es gseht nach Pech und Schwefel us,
Nach Undergang und jüngschtem G’richt,
Zue üs chunts aber nüd, vilicht.
Und chiems, so triffts vilicht nüd mi,
Ich bi gar immer artig gsi,
Na nie het mini Wenigkeit
Es lideschaftlichs Wörtli gsait,
Und hends am Schtamm politisch gredt,
So bin ich sofort hei is Bett.
Das chunt eim wohl i derige Täg
Mag cho was will – ich mag eweg!
(Der Mitläufer, erschienen im Nebelspalter Nr. 43 vom 22. Oktober 1942 als Titelbild)
Mit spitzer Feder gegen die Diktatoren
Carl Böckli, genannt Bö, zeichnete gegen Faschismus, Nationalsozialismus und Stalinismus – und gegen deren Anhänger:innen in der Schweiz. Seit den 1920er-Jahren prägte er den «Nebelspalter» mit seinem unverkennbaren Zusammenspiel von Karikatur und Text und machte das Satireblatt zu einer gewichtigen politischen Stimme. Mussolini, Hitler und Stalin behandelte Bö nicht mit Ehrfurcht, sondern mit Spott, Schärfe und Widerspruch. 1933 wurde der «Nebelspalter» in Deutschland verboten. Böckli zeichnete weiter. Sein Widerstand gegen totalitäre Ideologien verlangte Mut und Zivilcourage – und machte seine Arbeit während des Zweiten Weltkriegs zu einem Teil jener geistigen Abwehr, mit der sich die Schweiz von den Diktaturen ihrer Zeit abzugrenzen versuchte.
Dagegenhalten bleibt eine Aufgabe
Mehr als 3000 Karikaturen hinterliess Böckli, viele davon haben bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren. Propaganda, autoritäre Politik, politische Radikalisierung und der Versuch, unbequeme Stimmen mundtot zu machen, sind keine abgeschlossenen Kapitel der Geschichte. Die Ausstellung «Dagegenhalten!» im Museum Heiden konzentriert sich deshalb auf das zentrale Motiv seines Werks: den Widerstand gegen «rote und braune Fäuste». Dabei geht es nicht nur um historische Karikaturen, sondern auch um eine Frage, die heute wieder dringlich geworden ist: Wie viel Widerspruch braucht eine Demokratie? Böcklis Antwort war eindeutig. Satire darf stören, provozieren und den Mächtigen widersprechen – und manchmal muss sie es sogar.