Per Knopfdruck wird heute gekocht, gewaschen, gerüstet, gemixt, rasiert und kommuniziert. Welch bahnbrechende Errungenschaften Waschmaschine, Kühlschrank, Bügeleisen oder Staubsauger einst waren, lässt sich kaum mehr ermessen. Haushaltsgeräte haben unseren Alltag nachhaltig verändert. Das Museum Appenzell widmet sich mit der Sonderausstellung «Gerda, Kernex, Sibir – Praktische Geräte im Haushalt» diesen pionierhaften Gerätschaften, die einst zum festen Bestandteil jedes Haushalts gehörten.
Haushaltsgeräte als Spiegel ihrer Zeit
- Publiziert am 16. Juni 2026
Das Museum Appenzell widmet sich in einer Sonderausstellung den kleinen und grossen Alltagshelfern, die heute längst in Vergessenheit geraten sind.
Das Museum Appenzell widmet sich der ländlichen, katholisch geprägten Kulturgeschichte des Kantons Appenzell Innerrhoden. Im Zentrum stehen Themen der Volkskunde und der populären Alltagskultur. Dazu gehören die einst weltberühmte Appenzeller Handstickerei ebenso wie die Bauern- und Möbelmalerei, die Geschichte des Tourismus oder die Volksfrömmigkeit. Sonderausstellungen vertiefen und erweitern die Themen.
Praktische Geräte im Haushalt
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg begann die rasante Verbreitung vieler Haushaltsgeräte. Jedoch sind diese kein Novum des 20. Jahrhunderts. Ein Grossteil existierte schon vor der Elektrifizierung in handbetriebener Form. Technische Prinzipien aus der Industrie wurden früh auch auf Haushaltsgeräte übertragen. Deren industrielle Produktion, vor allem aber ihre Verbreitung, setzte sich jedoch nur zögerlich durch.
Super Max & Co
Die kleinen und grossen Helfer versprachen Arbeitserleichterung, Sauberkeit, Zeitersparnis und Komfort. Sie waren aber weit mehr als nur zweckmässige Gerätschaften, sie verhiessen auch ein neues Lebensgefühl: die Waschmaschine «Niagara», das Lockenwickler-Set «Carmen», der Zerkleinerer «Hache-vite» oder der Staubsauger «Super Max» signalisierten Modernität, Fortschritt und Unabhängigkeit. Die Ausstattung der Haushalte mit technischen Geräten entlastete die Frauen massgeblich von anstrengender körperlicher und zeitraubender Arbeit. Dennoch blieb der Zeitaufwand für die Hausarbeit weiterhin beachtlich. Erhöhte Ansprüche an die Qualität der Haushaltsführung sowie der wachsende Lebensstandard machten die gewonnene Zeit wieder zunichte. Ein Blick in Zeitschriften oder Ratgeber zeigt zudem, dass trotz neuer Technik alte Rollenmuster blieben.
Künstlerische Perspektiven auf den Haushalt
Die Ausstellung präsentiert eine breite Palette an Haushaltsgeräten aus der eigenen Sammlung: von Gerätschaften in der Küche über Hilfsmittel zur Wohnungs-, Wäsche und Körperpflege bis hin zur Unterhaltungselektronik. Die zunehmende Bedeutung der Haushaltstechnisierung zeigen Plakate und Fotos aus den 1940er- bis 1970er-Jahren. Werke von Roman Signer und Hans Schweizer ergänzen die Ausstellung mit einem künstlerischen Blick auf Bügeleisen und Dampfkochtopf. (Museum Appenzell)