Mit ihrem Kinderbuch schuf Selina Chönz eine Geschichte, die Generationen von Kindern begleitet hat. Eine Ausstellung in der Stamparia Strada zeigt nun unbekannte Seiten der Engadiner Autorin. Kuratiert von ihrer Grossnichte Letizia Könz, basiert sie auf einem zufällig entdeckten Nachlass und gibt anhand unveröffentlichter Texte, Briefe und Fotografien Einblick in Chönz' Gedankenwelt, ihre Verbundenheit mit dem Engadin und ihr Engagement für die rätoromanische Sprache.
Das verborgene Erbe der Selina Chönz
- Publiziert am 10. Juli 2026
Ein Zufallsfund eröffnet einen neuen Blick auf das Leben von Selina Chönz – der Autorin des weltberühmten «Schellen-Ursli».
Zufallsfund auf dem Dachboden
Anlässlich des 25. Todestags von Selina Chönz zeigt die Stamparia Strada als erstes Museum Objekte aus ihrem Nachlass. Möglich wurde dies durch einen Zufallsfund: Simon Könz, ein Enkel der Autorin, entdeckte auf dem Dachboden seines Hauses in Guarda eine blaue Schachtel mit bisher unbekannten Dokumenten. Zum Vorschein kamen Manuskripte, Typoskripte, Briefe, Fotografien sowie Tonaufnahmen und weitere persönliche Zeugnisse.
Mehr als die Schöpferin des «Schellen-Ursli»
Selina Chönz (1910–2000) lebte über vier Jahrzehnte in Guarda und wurde mit «Uorsin», der rätoromanischen Originalfassung des «Schellen-Ursli», weltberühmt. Gemeinsam mit Alois Carigiet schuf sie eines der erfolgreichsten Schweizer Bilderbücher. Die ausgebildete Montessori-Pädagogin schrieb aber auch Prosa, Essays, journalistische Texte und weitere Kinderbücher wie «Flurina». Als eigenständige Künstlerin und engagierte Verfechterin der rätoromanischen Sprache war sie ihrer Zeit voraus.
Ein neuer Blick auf die Autorin
Kuratorin und Stiefenkelin Letizia Könz möchte Chönz erstmals als vielseitige Persönlichkeit zeigen. Neben Originaltexten, Fotografien und Briefen zählen die nachgebildeten Arbeitsräume von Selina Chönz und Alois Carigiet zu den Höhepunkten der Ausstellung. Die neuen Dokumente eröffnen Einblicke in ihre Gedankenwelt, ihre Verbundenheit mit dem Engadin und ihre Liebe zum Romanischen. Ganz im Sinn ihres Mottos – «Mit starkem Willen kann man sogar den Drachen besiegen» – kann die wissenschaftliche Erforschung ihres Nachlasses jetzt beginnen. Die Unterlagen aus dem Nachlass reichen laut Letizia Könz bereits für eine zweite Ausstellung.