Kulturgeschichte
Die Initiant:innen investierten privates Geld und viele Arbeitsstunden in den Bau des Skilifts in Moneto. | © Foto: Paolo Madonna

Das Alpine Museum befasst sich mit der schwindenden Skikultur

Die Ausstellung «Après-Lift. Skiberge im Wandel» nimmt Skilifte, die verschwinden und Liftgeschichten, die in Erinnerung bleiben in den Blick

Von einst 550 Liftanlagen in der Schweiz wurden etwa 230 bis zum heutigen Tag zurückgebaut – und es werde noch weitere dazukommen. Die Ausstellung fragt nach den Ursachen und will viel mehr festhalten, was von den vielen Stunden auf den Pisten übrig bleibt. René Bollinger, Skiliftbetreiber zweiter Generation, er erinnert sich: «Auch unsere Verwandten kamen ins Ruedertal um skizufahren. Das war Freiheit.» Seine Liftgeschichte wird in einer von sechs Hörstationen vorgestellt.

Die Ausstellung basiert auf den Recherchen des Bergpublizisten Daniel Anker und zeigt grossformatige Bilder des Berner Fotografen Olivier Rüegsegger von den todgeweihten Skiliften am Tête de Ran/NE; sie werden nächstes Jahr abgerissen. Christoph Schuck, Professor für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dortmund und Skiliftforscher gibt einen Einblick in die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft.

Sechs Fallbeispiele

In der gesamten Schweiz eroberten Skilifte die Berge teils bis in tiefe Lagen und wurden zu Treffpunkten für das ganze Dorf. Doch viele Lifte stehen heute nicht mehr, so auch der Bügellift in Walde. Die Ausstellung im Alpines Museum der Schweiz nimmt sechs Fallbeispiele aus unterschiedlichen Landesteilen in den Blick: Walde, Schmiedrued (AG), Col de Montvoie, Fon- tenais (JU), Cùlmina, Moneto/Centovalli (TI), Breitenebnet, Trogen (AR), Super St-Bernard/Col de la Menouve, Bourg-Saint-Pierre (VS), Erner Galen, Ernen-Mühlebach (VS), Tête de Ran, Les Hauts-Geneveys/Val de Ruz (NE). «Après-Lift» zeigt, wie die einst populäre Skikultur langsam verschwindet. Klimawandel, das Zusammenlegen von Skigebieten, die Modernisierung von Anlagen und ein enger werdendes Regelwerk von Sicherheitsstandards drängen die kleinen Lifte in der Schweiz aus dem Markt.

Lifterinnerungen als Hörstationen

Christoph Schuck, der zum Nicht-Überleben von Skigebieten in der Schweiz forscht, verbindet in einer Hörstation seine Forschungspraxis mit emotionalen Eindrücken – der Erner Galen im Wallis war sein Lieblings-Skigebiet: «Trotzdem tickte die Lebensuhr des Erner Galens bereits vom ersten Tag an. Jahr für Jahr wurden nämlich die finanziellen Defizite grösser. Von Anfang an wurde die Schneesicherheit überschätzt und die erdrückende Konkurrenz des benachbarten Kühbodens, Verzeihung, der Fiescheralp, unterschätzt.» Zu den sechs Hörstationen gehört auch die Liftgeschichte von Paulina und Yula, heute erklärte Fans des stillgelegten Skilifts in Trogen, Appenzell Ausserrhoden. Als Kinder und Jugendliche verbrachten sie einen grossen Teil ihrer Winterfreizeit dort und erinnern sich: «Der Lift war richtig brutal. Wer am Trogener Lift skifahren konnte, konnte überall skifahren.»

Was geht und was bleibt?

Mit den Skiliften verschwindet immer auch ein Teil der Dorfkultur. Und doch bleibt vieles zurück: Die Geschichten der Menschen, die einen Teil ihres Lebens diesen Liften gewidmet haben oder Liftüberreste, wie verlassene Gondelstationen oder rostige Liftmasten, die als «lost places» weiterleben. Zusammen mit alten Skibügeln, abmontierten Hinweisschildern oder aufbewahrten Skitickets lässt die Ausstellung die stillgelegten Lifte nochmals hochleben.

(Text: Alpines Museum der Schweiz)

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