Zu den bisherigen Preisträger:innen des Roswitha Haftmann-Preises zählen u. a. Walter De Maria, Maria Lassnig, Cildo Meireles, Sigmar Polke, Robert Ryman, Cindy Sherman, Rosemarie Trockel, Cecilia Vicuña und Jeff Wall und die kürzlich verstorbene VALIE EXPORT.
Wolfgang Tillmans erhält den Roswitha Haftmann-Preis 2026
- Publiziert am 21. Mai 2026
«Wolfgang Tillmans gehört zweifellos zu den international wegweisenden Künstlern seiner Generation auf dem Gebiet der Fotografie. Tillmans folgt einer künstlerischen Praxis, die über die blosse Ästhetik weit hinausgeht – indem er öffentliche Präsenz und Sprache nutzt, um als Künstler ein kollektives demokratisches Bewusstsein zu fördern, das auf Offenheit und Solidarität gründet.» – Stiftungsratsmitglied Prof. Dr. Bernhart Schwenk, Chefkurator und Sammlungsleiter Gegenwartskunst an der Pinakothek der Moderne in München.
Fotograf der Gegenwart
Wolfgang Tillmans wurde in den 1990er-Jahren mit seinen unmittelbaren, oft intimen Bildern der Clubszene, der Subkultur und der LGBTIQ+-Community international bekannt. Seine Arbeiten erschienen früh in Musik- und Lifestyle-Magazinen und prägten den visuellen Blick einer ganzen Generation. Doch Tillmans blieb nie beim dokumentarischen Blick stehen. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte entwickelte er die Fotografie konsequent weiter: Neben Porträts entstanden Stillleben, Landschafts- und Himmelsaufnahmen sowie abstrakte Arbeiten, bei denen chemische Prozesse oder mechanische Abläufe das klassische Fotografieren ersetzten. Immer stärker rückte dabei auch die Materialität des Bildes ins Zentrum – Papier, Druck, Oberfläche und Präsentation wurden Teil der künstlerischen Aussage.
Die Fotografie als Rauminstallation
Tillmans gehört zu den ersten Künstler:innen, die Fotografie konsequent installativ dachten. Seine Bilder erscheinen nicht isoliert, sondern in komplexen Anordnungen an Wänden oder auf Tischen: Fotografien treffen auf Fotokopien, Zeitungsausschnitte, Verpackungen oder Fundstücke des Alltags. Dieser offene Umgang mit Bildmaterial machte Tillmans zu einem Wegbereiter einer neuen fotografischen Kunstform, die bis heute grossen Einfluss auf jüngere Künstler:innengenerationen ausübt. Seine Praxis reicht inzwischen weit über die Fotografie hinaus und umfasst auch Sound-, Video- und Textarbeiten sowie kollaborative Musikprojekte.
Kunst als Haltung
Für Tillmans ist Kunst nie losgelöst von gesellschaftlicher Verantwortung. Der Künstler engagierte sich öffentlich gegen den Brexit und initiierte Kampagnen zur Förderung der Wahlbeteiligung bei deutschen und europäischen Wahlen. Dabei versteht er Kultur als Raum für Dialog, Offenheit und demokratische Teilhabe. Dieses Engagement setzt sich auch in seiner 2017 gegründeten Stiftung Between Bridges fort, die Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Aktivismus und gesellschaftlichem Diskurs unterstützt. Tillmans verkörpert damit eine Kunst, die nicht laut agitieren muss, um politisch zu sein.
Internationale Anerkennung
Die Werke von Wolfgang Tillmans waren in den vergangenen Jahren in einigen der bedeutendsten Museen der Welt zu sehen, darunter im Museum of Modern Art in New York oder im Centre Pompidou in Paris. Bereits 2000 erhielt er als erster Fotograf überhaupt den renommierten Turner Prize. Nun wird Tillmans mit dem Preis der Roswitha Haftmann-Stiftung ausgezeichnet – einer der wichtigsten Kunstpreise Europas. Die Stiftung wurde nach der Schweizer Galeristin und Mäzenin Roswitha Haftmann benannt und würdigt herausragende lebende Künstler:innen der Gegenwart.

