Die umfassende Einzelausstellung der Libanesischen Künstlerin Caline Aoun erstreckt sich über das Kunstmuseum und die Kunsthalle Appenzell und untersucht die Bedingungen, unter denen natürliche und künstliche Systeme entstehen, wirken und sich verändern. Die Künstlerin arbeitet installativ und häufig raumbezogen mit Medien wie Skulptur, Druckgrafik, Arbeiten auf Papier und Video. Caline Aoun macht unsichtbare Prozesse sinnlich erfahrbar und verhandelt zentrale Fragen der Gegenwart – ökologische Fragilität, technologische Durchdringung und den Umgang mit Zeit und Ressourcen.
The Threshold of Impermanence: Caline Aoun im Kunstmuseum und in der Kunsthalle Appenzell
Zwischen Rost und Reif, Druckerfarbe und Datenströmen liegt sie – die Schwelle der Vergänglichkeit.
Die Kräfte der Natur
Im Kunstmuseum liegt der Fokus auf dem Elementaren und Natürlichen – auf Wasser, Licht, Wärme und Zeit als Kräfte, die Bildern und Bedeutungen vorausgehen. Mit den silbernen Monochromen Dreaming of Electric Dew, 2026, die an die Edelstahlfassade des Kunstmuseums erinnern, stellt Aoun ein natürliches Phänomen künstlich nach. Kühlaggregate halten ihre Oberflächen unter dem Gefrierpunkt und lassen die Luftfeuchtigkeit daran kondensieren. In Emanating Ground, 2026 werden Leuchtstoffröhren des Kunstmuseums aus der Decke gelöst, mit Kupfer ummantelt und auf dem Boden platziert – Licht wird als Wärme körperlich erfahrbar.
Manifestationen der Vergänglichkeit
In der Kunsthalle verschiebt sich der Blick auf das Kulturelle: auf Sprache, Bildproduktion und technologische Systeme, durch die Wahrnehmung, Zirkulation und Bedeutung entstehen. In Infinite Energy, Finite Time (2019) fliessen Druckerfarben in Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz – den Grundfarben des CMYK-Drucksystems – durch vier miteinander verbundene Brunnen. Über Schläuche, Ventile und eine zeitgesteuerte Mechanik vermischen sich die Farben über die Dauer der Ausstellung langsam zu einer einheitlichen Masse. An beiden Ausstellungsorten betont «The Threshold of Impermanence» Vergänglichkeit als den Moment, in dem Systeme die Bedingungen offenbaren, die sie erhalten und zugleich auflösen. Was bleibt, sind keine Objekte, sondern eine Spur: von Zirkulation, von Enthüllung, von vergangener Zeit.

