Das Kunstmuseum Basel widmet Gertrud Dübi-Müller (1888 bis 1980) die erste umfassende Ausstellung. Sie führte ein aussergewöhnlich selbstbestimmtes Leben, das nicht nur für die damalige Zeit aussergewöhnlich war. Zu sehen sind rund achtzig Werke aus ihrer Sammlung sowie Fotografien und bislang unveröffentlichte Dokumente.
VAN GOGH, HODLER UND EIN CABRIOLET – Eine Sammlerin ihrer Zeit voraus
Sie sammelte Van Gogh und Klimt, fuhr Autorennen, bestieg das Matterhorn und stand Ferdinand Hodler Modell
GERTRUD DÜBI-MÜLLER, IHR MANN UND DIE STIFTUNG
Gertrud Dübi-Müller (1888–1980) heiratete 1921 den Solothurner Juristen Otto Dübi (1885–1966), der als Direktor das Familienunternehmen Müller & Cie., die späteren Sphinxwerke, leitete. Das Paar hatte keine Kinder. Otto Dübi unterstützte die Sammeltätigkeit seiner Frau und vertraute ihrem Kunsturteil. Zur Verlobung schenkte er ihr Gustav Klimts Gemälde GOLDFISCHE, das später zu einem der bekanntesten Werke ihrer Sammlung wurde.
1964 gründeten Gertrud und Otto Dübi-Müller die Dübi-Müller-Stiftung. Ihr Ziel war es, die gemeinsam aufgebaute Kunstsammlung als Ganzes zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach Gertrud Dübi-Müllers Tod gelangten rund 190 Werke ins Kunstmuseum Solothurn. Die Stiftung besteht bis heute und hat ihren Sitz beim Museum.
Mit Werken von Vincent van Gogh, Gustav Klimt, Paul Cézanne, Henri Matisse, Ferdinand Hodler, Cuno Amiet und weiteren Künstler bildet die Dübi-Müller-Stiftung einen zentralen Bestandteil der Solothurner Museumssammlung. Gemeinsam mit weiteren bedeutenden Stiftungen trug sie wesentlich dazu bei, dass das damalige Mehrspartenmuseum 1980 zu einem reinen Kunstmuseum umgebaut wurde.
Früh unabhängig
Gertrud Dübi-Müller kam durch den Malunterricht bei Cuno Amiet früh mit Kunst in Berührung. Sie schloss Freundschaften mit Künstler wie Ferdinand Hodler und Giovanni Giacometti und war nach dem frühen Tod ihrer Eltern bereits in jungen Jahren finanziell unabhängig. Kaum volljährig, erwarb sie Vincent van Goghs PORTRÄT VON CHARLES-ELZÉARD TRABUC und legte damit den Grundstein für eine bedeutende Sammlung moderner Kunst. Dazu gehörten Werke internationaler Künstler wie Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Gustav Klimt ebenso wie Arbeiten von Alice Bailly, Cuno Amiet, Giovanni Giacometti und Ferdinand Hodler. Viele Kunstschaffende porträtierten oder beschenkten die Sammlerin. Besonders eng war ihre Verbindung zu Hodler, der sie in insgesamt 17 Bildnissen festhielt.
Mit Kamera und Cabriolet
Dübi-Müller war nicht nur Sammlerin, sondern auch eine leidenschaftliche Fotografin. Sie dokumentierte das Leben befreundeter Künstler:innen ebenso wie ihre eigenen Reisen, Bergtouren und Abenteuer. Ihre Fotografien führen durch Europa und Nordafrika, zeigen Zeppelinflüge und Begegnungen mit der Kunstszene ihrer Zeit. Mit einem frühen Auto der Schweizer Marke Pic-Pic bereiste sie europäische Kunstmetropolen und die Schweizer Alpen. Daneben nahm sie an Autorennen teil und bestieg unter anderem das Matterhorn, den Eiger, den Mönch und die Jungfrau. Für eine Frau ihrer Generation war diese Form von Unabhängigkeit aussergewöhnlich.
Eine Pionierin wird sichtbar
Die Ausstellung verbindet Werke aus der Dübi-Müller-Stiftung und der Josef-Müller-Stiftung mit privaten Leihgaben, die einst Teil ihrer Sammlung waren. Hinzu kommen Fotografien, Briefe, handgemalte Postkarten und weitere Archivalien. So entsteht das Porträt einer Frau, die nicht nur Kunst sammelte, sondern selbst Teil eines internationalen kulturellen Netzwerks war. VAN GOGH, HODLER UND EIN CABRIOLET macht sichtbar, wie stark Gertrud Dübi-Müller die Kunst- und Kulturgeschichte ihrer Zeit mitprägte.
