Ana Vujić untersucht Unsicherheit als Zustand, in dem persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Verhältnisse ineinandergreifen. Fragen nach Migration, Zugehörigkeit, Mutterschaft, Care-Arbeit, Körper und Identität verbinden sich mit einer Gegenwart, in der politische und soziale Gewissheiten ins Wanken geraten. Zeichnung, Wachs, Faden, Sprache und Video machen diese Spannungen auf unterschiedliche Weise sichtbar.
SOURCES OF UNCERTAINTY – Ana Vujić tastet nach dem Ungewissen
Ana Vujić (* 1981 in Požarevac, Serbien) lebt und arbeitet in Basel. In ihrer künstlerischen Praxis setzt sie sich mit Prozessen der persönlichen und gesellschaftlichen Identitätsbildung auseinander, insbesondere im Spannungsfeld von Gender, Migration, kulturellen Traditionen und sozialpolitischen Veränderungsprozessen. Ihre Arbeiten umfassen grossformatige Kohlezeichnungen sowie Wax- und Videoarbeiten und wurden zuletzt im Kunstmuseum Solothurn, im Kunsthaus Zofingen, im Kunstraum Baden sowie bei zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt. Ihre Arbeiten entstehen ortsspezifisch für den jeweiligen Ausstellungsraum.
Zwischen Körper und Material
Lebensgrosse Körper erstrecken sich in Ana Vujićs Kohlezeichnungen über Wände und Boden und treten in Beziehung zur Architektur und zu den Betrachtenden. Während die grossformatigen Zeichnungen von körperlicher Geste und unmittelbarer Präsenz geprägt sind, führen die neuen Wachsarbeiten eine andere Zeitlichkeit ein. Wachs reagiert auf Temperatur und Berührung, kann erstarren, nachgeben oder seine Form verlieren. In der Installation «A nother Sleepless Night» wird diese Instabilität zum Thema: Ein Zaun aus Wachs markiert eine Grenze und stellt ihre Beständigkeit zugleich infrage. Schutz und Abgrenzung, Sicherheit und Verletzlichkeit bleiben dabei in der Schwebe.
Mutterschaft und Care
In den «Mother Milk Drawings» verbindet Vujić Wachs, Faden und Sprache. Ausgangspunkt sind Gespräche mit Künstlerinnen über Mutterschaft, Abhängigkeiten und die Veränderungen des eigenen Selbstverständnisses. Die Aussagen werden gekürzt, fragmentiert und in eine neue Form überführt. Sprache bewegt sich dabei zwischen Mitteilung, Zeichnung und Objekt. Care erscheint nicht nur als private Angelegenheit, sondern als gesellschaftliche Struktur, in der sich Fragen nach Zeit, Arbeit, Körper und Verfügbarkeit verbinden.
