Schwester Augustina Flüeler (1899–1992) war eine bedeutende Textilkünstlerin des 20. Jahrhunderts. Hinter den Mauern des Klosters St. Klara in Stans entwickelte sie kirchliche Gewänder von aussergewöhnlicher Farbigkeit und Modernität und baute eine international erfolgreiche Paramentenwerkstätte auf. Die neue Ausstellung im Winkelriedhaus des Nidwaldner Museums macht ihr vielseitiges Lebenswerk erstmals in seiner ganzen Fülle sichtbar.
SCHWESTER AUGUSTINA FLÜELER – Kunst zwischen Klostermauern
- Publiziert am 6. November 2026
Anton Flüeler: Bruder, Künstler und Inspirationsquelle
Parallel zur Hauptausstellung beleuchtet eine Kabinettausstellung in der Kapelle des Winkelriedhauses das breite künstlerische Schaffen von Anton Flüeler (1898–1960), dem Bruder von Schwester Augustina Flüeler. Der auch als Toni Flüeler bekannte Künstler war Tänzer, Kostüm- und Bühnenbildner im Berlin der Zwischenkriegszeit und später Designer kirchlicher Objekte. Häufig arbeitete er dabei eng mit seiner Schwester zusammen. Als weltgewandter Künstler, der zugleich fest in seiner Stanser Heimat verwurzelt blieb, war er eine wichtige Inspiration für ihr Schaffen. Die Kabinettausstellung wird von Bettina Staub kuratiert.
Im Frühjahr 2027 erscheint in der Buchreihe «Unbekannte Bekannte» der Frey-Näpflin-Stiftung zudem die Publikation «Ich will allem Leben geben. Toni Flüeler. 1898–1960» im Verlag Hier und Jetzt.
Tradition und Innovation kunstvoll verwoben
Schwester Augustina Flüeler verband aussergewöhnliches handwerkliches Können und künstlerische Begabung mit unternehmerischem Weitblick. Sie revolutionierte die Gestaltung kirchlicher Gewänder und schuf textile Kunstwerke, die weit über die Schweiz hinaus Beachtung fanden. Ihre Paramente wurden in die ganze Welt exportiert. Als international vernetzte Künstlerin veröffentlichte sie zudem Bücher über ihr Schaffen, die sogar ins Japanische übersetzt wurden. Gleichzeitig führte sie im Kloster St. Klara eine erfolgreiche Manufaktur mit hervorragend ausgebildeten Mitarbeiterinnen. Die Ausstellung «Augustina Flüeler. Klosterfrau, Künstlerin, Textilunternehmerin» bringt die raffinierten Stoffe und Gewänder wieder ans Licht. In ihrer Vielfalt zeigen sie, wie Schwester Augustina Flüeler Tradition und Innovation, Präzision und Kreativität sowie lokale Verwurzelung und internationale Offenheit miteinander verband. Die Ausstellung gibt zugleich Einblick in die Techniken des Webens und Stickens und lädt die Besucher:innen dazu ein, selbst gestalterisch tätig zu werden.
Bedeutendes Textilarchiv erschlossen
Die Grundlage der Ausstellung bildet das Textilarchiv der Paramentenwerkstätte von Schwester Augustina Flüeler. 2017 wurde der Bestand aus dem Kloster St. Klara in die Sammlung des Nidwaldner Museums überführt. Die Schenkung umfasst 27 Archivschachteln, verschiedene Entwurfsmappen sowie Stoffmuster, Fotografien und weitere Objekte. Detaillierte Web- und Schnittmuster, Entwürfe und
Aufnahmen ausgeführter Gewänder machen den Entstehungsprozess und die Entwicklung ihres Schaffens nachvollziehbar. Für die Ausstellung wurde der Bestand intensiv erforscht. Anhand der Archivunterlagen konnte gezielt nach erhaltenen Paramenten gesucht werden. Die Zusammenarbeit mit Pfarreien, Klöstern und Museen führte dazu, dass zahlreiche Originale wiederentdeckt und ihrem Entstehungszusammenhang zugeordnet werden konnten. Viele der einst in Stans entworfenen, gewobenen und gefertigten Gewänder kehren nun für die Ausstellung an ihren Ursprungsort zurück. Damit wird das aussergewöhnliche Schaffen Schwester Augustina Flüelers in einer Vollständigkeit sichtbar, wie es seit der Auflösung der Werkstätte kaum mehr möglich war.
Publikation zum Lebenswerk und Begleitprogramm
Zur Ausstellung erscheint im Verlag Scheidegger & Spiess die gleichnamige Publikation «Augustina Flüeler. Klosterfrau, Künstlerin, Textilunternehmerin». Sie arbeitet das Leben und Werk der Künstlerin umfassend auf und eröffnet zugleich die neue Buchreihe des Nidwaldner Museums. Diese rückt die eigene Sammlung als Herzstück der Museumsarbeit in den Mittelpunkt und macht ausgewählte Bestände durch vertiefte Forschung neu zugänglich. Herausgegeben wird die Publikation von Gabriela Christen und Carmen Stirnimann.
Führungen, Workshops und Veranstaltungen vertiefen die Themen der Ausstellung. Dazu gehören Führungen mit den Kuratorinnen, ein Rundgang auf den Spuren von Schwester Augustina Flüeler im ehemaligen Kloster St. Klara sowie eine Führung durch die Textilwerkstätten der Hochschule Luzern Design Film Kunst. Die Veranstaltung «Einst trifft Heute» bringt Zeitzeuginnen und aktuelle Absolventinnen des Textildesigns miteinander ins Gespräch. Ergänzend werden Web- und Stickworkshops sowie besondere Angebote für Schulklassen durchgeführt. (Pressetext: Nidwaldner Museum)
