Was geschieht, wenn wir nicht mehr auf den Bildschirm schauen, sondern ihn selbst zum Gegenstand unserer Betrachtung machen? Der Künstler Timo Ullmann geht in seiner Einzelausstellung «Fullscreen» dieser Frage nach und verwandelt die Kunsthalle Luzern in ein faszinierendes Universum aus Licht, Projektionen und bewegten Objekten. Rund 15 Arbeiten eröffnen Perspektiven auf jene Technologien, die unseren Alltag längst beherrschen und unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit verändern.
FULLSCREEN – Bildschirme mit Eigenleben
- Publiziert am 30. Oktober 2026
Timo Ullmann verwandelt in der Kunsthalle Luzern Bildschirme in eigenwillige Akteure einer digitalen Welt.
Zur Person: Timo Ullmann
Timo Ullmann (*1987 in Lenzburg) ist Video- und Performancekünstler. Er studierte an der Hochschule Luzern – Design & Kunst sowie an der Universidad Complutense de Madrid. In seinem experimentellen Schaffen untersucht er die Schnittstellen zwischen analogen und digitalen Medien. 2022 erhielt er einen Förderbeitrag des Aargauer Kuratoriums, 2023 wurde er für den Manor Kunstpreis nominiert und mit dem Kulturförderpreis der Stadt Aarau ausgezeichnet.

Ein Blick hinter die glatte Oberfläche
Wir tragen Bildschirme in der Hosentasche, sitzen täglich vor ihnen und lassen uns von ihren Bildern unterhalten, informieren und verführen. Doch was steckt eigentlich hinter diesen leuchtenden Oberflächen? Timo Ullmann zerlegt die vertrauten Geräte gedanklich und physisch in ihre Bestandteile, kombiniert sie neu und macht sichtbar, was normalerweise verborgen bleibt. Dabei entstehen ebenso poetische wie irritierende Installationen. Ein leerer Bildrahmen im klassischen 16:9-Format sucht rastlos den Raum ab, ein achteckiger Kronleuchter aus flimmernden TV-Simulatoren erinnert an das uralte Faszinosum des Feuers. Anderswo verschachteln sich Bildschirmkulissen zu einer Reise durch die Mediengeschichte, deren Tempo und Bilderflut unaufhaltsam zunehmen. Was zunächst wie eine spielerische Versuchsanordnung wirkt, entpuppt sich als ebenso kluge wie sinnliche Auseinandersetzung mit unserer digitalisierten Gegenwart.

Die Technik als Regiesseurin
Besonders reizvoll ist die Inszenierung des Ausstellungsraums. In der abgedunkelten Kunsthalle weisen einzig die leuchtenden Kunstwerke den Weg. Die grosse Fensterfront wird zur durchlässigen Grenze zwischen Innen und Aussen, zwischen physischer und virtueller Welt. Und die Technik scheint ein Eigenleben zu entwickeln: Der Kronleuchter flackert unermüdlich, ein projizierter Rahmen tastet den Raum ab, während digitale Fische in einem virtuellen Aquarium unablässig ihren Bildschirm reinigen. Selbst wenn das Publikum die Kunsthalle längst verlassen hat, geht das Treiben weiter. Ullmann macht die Geräte, die uns sonst Bilder liefern, zu den eigentlichen Protagonisten. Seine Ausstellung ist also mehr als eine Reflexion über neue Technologien. Sie stellt auch eine grundlegende Frage: Wer bestimmt eigentlich unseren Blick auf die Welt – wir oder die Bildschirme, durch die wir sie betrachten?
