Eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Coronapandemie begann der Fotograf und Autor Andreas Seibert, Long-Covid- und ME/CFS-Betroffene zu porträtieren. Er wollte der Frage nachgehen, ob und wie die Fotografie etwas festhalten kann, was sich vor der Kamera nicht wirklich realisiert. Es entstand – wie der Buchtitel andeutet – eine fotografische Arbeit über das Sehen und über das Leben. Die Publikation gibt mit insgesamt 98 Fotografien den Betroffenen, ihren Angehörigen und ihren bisherigen Erfahrungen Raum.
Wie sieht ein Leben mit Long Covid aus?
- Publiziert am 5. Mai 2026
Andreas Seibert ist ein renommierter Schweizer Fotograf, dessen Arbeiten in zahlreichen internationalen Magazinen veröffentlicht und in Ausstellungen weltweit gezeigt wurden. Er erhielt unter anderem mehrere Werkbeiträge des Aargauer Kuratoriums, den Acknowledgement Grant der UBS Culture Foundation und den Hans-Erni-Preis. Mit «Über Sehen Über Leben – A Photographic Document» setzt er seine engagierte Dokumentarfotografie fort und schafft ein wichtiges gesellschaftliches Dokument unserer Zeit.
Das Unsichtbare festhalten
Mit seinen eindringlichen fotografischen Porträts bringt Andreas Seibert Menschen, die an Long Covid oder ME/CFS erkrankt sind, vor die Kamera. Begleitet werden diese Fotografien in der Publikation von längeren Texten, die von Leid und Glück, von Hoffnung und Enttäuschung, von beruflichen und finanziellen Ängsten und Sorgen, von Freundschaften, Trennungen und Verlust sowie von Unterstützung und Liebe handeln; sie beschreiben zudem ein System, das Menschen in grosser Not zwar helfen sollte, dieser Aufgabe aber aus unterschiedlichen Gründen allzu oft nicht gerecht wird. Ergänzt werden diese beiden Ebenen einerseits durch Gedanken einer Betroffenen, die sich wie ein feiner Faden still und voller Poesie durch das Buch ziehen, andererseits durch Landschaftsfotografien, die eine visuelle Atempause bieten und eine Welt zeigen, die für die Porträtierten allzu oft nicht mehr erreichbar ist.
Die Reise
Anderthalb Jahre nach Ausbruch der Coronapandemie begann Seibert mit seiner fotografischen Reise. Sein Ziel war es, eine Bildsprache zu finden, die das, was sich vor der Kamera kaum realisiert, dennoch erfasst: das Leben der Betroffenen in all ihrer Fragilität und Stärke. Andererseits vermutete er, dass die hohen Infektionszahlen und die damit verbundenen postviralen Erkrankungen eine grosse Herausforderung nicht nur für das Gesundheitssystem, sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes darstellen werden, was er fotografisch dokumentieren wollte.

