Die Ausstellung im Grafenhaus bringt die Winterthurer Künstlerin Sophie Schaeppi (1852–1921) und die Zürcher Künstlerin Lea Schaffner in einen zeitgenössischen Dialog. Schaeppi fand nach ihrer Rückkehr aus Paris in der Natur rund um die Kyburg neue Inspiration, während Schaffner in ihren Spuren forscht und in einer Installation eine eigene, neue künstlerische Annäherung an die Künstlerin wagt.
«Refugium Kyburg» – Lea Schaffner auf den Spuren von Sophie Schaeppi
Wie die Kyburg zur Inspirationsquelle, zum Rückzugsort und zum Ausgangspunkt der Wiederentdeckung einer lange übersehenen Künstlerin wurde.
Frau von Welt
Sophie Schaeppi (1852–1921) war eine Winterthurer Künstlerin, die als zweites von sieben Kindern einer bürgerlichen Familie geboren wurde. Sie entschied sich früh für eine künstlerische Laufbahn, liess sich zur Malerin ausbilden und baute sich in Paris eine eigenständige Existenz auf. Eine einzigartige Laufbahn, die sie zu einer Wegbereiterin für all jene Künstlerinnen macht, die sich mutig in eine bis heute oftmals von Männern dominierte Kunstszene wagen. Mit 42 Jahren kehrte sie nach dem Tod ihrer Mutter schweren Herzens nach Winterthur zurück, um sich um ihren Vater und eine Nichte zu kümmern. Dieser Einschnitt wurde zum Wendepunkt ihres Lebens und führte sie zurück in die Landschaft ihrer Kindheit – und später immer wieder zur Kyburg.
Auf den Spuren der Künstlerin
In den Wäldern rund um die Kyburg fand Schaeppi neue künstlerische Impulse. Birkenwälder, wechselnde Lichtverhältnisse und immer neue Blickachsen auf die mittelalterliche Burg wurden zu zentralen Motiven ihrer impressionistisch geprägten Landschaftsmalerei. Ihre Zeichnungen und Skizzenbücher sind keine reinen Studien, sondern dichte, persönliche Annäherungen an Landschaft und Wahrnehmung – an einen Ort, zu dem die Künstlerin durch ihre Studien eine innige Beziehung aufbaute.
Künstler:innen im Dialog
Lea Schaffner (*1989) nähert sich Sophie Schaeppi als forschende Künstlerin. Sie arbeitet mit Tagebüchern und Archivmaterialien und entwickelt daraus eine Installation, die neue Perspektiven auf Leben und Werk eröffnet. Im Dialog zwischen historischen Fragmenten und zeitgenössischer Kunst entsteht eine neue Lesart, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Auch ein Kinderbuch mit fantasievollen Zeichnungen spielt dabei eine Rolle: Darin macht sich die wenig bekannte Künstlerin für einen kurzen Moment selbst sichtbar. Schaffners multiperspektivischer Zugang eröffnet einen direkten Zugang zu Ort, Geschichte und Werk einer bedeutenden Wegbereiterin. Ergänzt wird die Ausstellung durch Bilder, Porträts, Dokumente und Gegenstände, die ein vielschichtiges Bild der Künstlerin zeichnen.
