Das Nidwaldner Museum widmet sich in einer umfassenden Ausstellung dem Werk von Pravoslav Sovak. Der sensible Druckgrafiker mit feinem Gespür für Ästhetik lebte zwischen Welten – geprägt von Exil, der Suche nach Verortung, dem steten Unterwegssein und seiner neuen Heimat hoch über dem Vierwaldstättersee. Die Schau rückt das fast lebenslang reflektierte Heimweh des 2022 verstorbenen Künstlers in den Fokus.
Pravoslav Sovaks Kunst zwischen Fernweh und Heimatsuche
Die Ausstellung «HOMESICK. ANDERSWO» erinnert zum 100. Geburtstag an einen der wichtigsten zeitgenössischen Druckgrafiker.
Zwischen Heimweh und neuer Heimat
Er war einer der bedeutendsten Druckgrafiker der Gegenwart mit weltweiter Ausstrahlung: Pravoslav Sovak. 1926 im ostböhmischen Vysoké Mýto geboren, lebte der Künstler von 1978 bis zu seinem Tod 2022 in Hergiswil. Im Fokus der Ausstellung im Nidwaldner Museum stehen Werke, die sein reflektiertes Heimweh widerspiegeln. Ein Gefühl, das ihn sein Leben lang begleiten sollte und seinen Ursprung im Einmarsch der sowjetischen Armee am 21. August 1968 in Prag hatte. Der damals 42-Jährige «verliess» die ehemalige Hauptstadt der Tschechoslowakei noch am selben Tag – so seine eigenen Worte. Die Schweiz gewährte ihm 1969 Asyl, 1978 baute er sich ein Haus mit Atelier in Hergiswil. Von hier bricht Sovak immer wieder auf in die Welt, oft in die USA.
Inspiration in der Ferne
Fasziniert von den namenlosen Weiten der Wüsten Arizonas, von Stadtansichten oder den vertikalen Gebäudestrukturen der New Yorker Wolkenkratzer entstehen zeitlose Werke zu (menschenleeren) Orten der Zuflucht, zu imaginären Räumen und Plätzen, in die sich Erinnerungen an Böhmen, an vergangene Reisen und an das Leben im Hergiswiler Haus, den Garten und das Umfeld mischen. Sovak hat sich nie laut über Heimweh oder den Verlust der Heimat geäussert. Es ist sein sinnliches, technisch brillantes Œuvre, das häufig eine tiefe Sehnsucht nach Identität oder Verortung widerspiegelt und uns miterleben lässt, dass Heimat sich im stetigen Wandel befindet. In einem einzigen Bild, das über acht Jahre lang entstand, spricht er es im Titel aus: Homesick. Unübersehbar zeigt sich ein ungestilltes Sehnen nach einem heimatspendenden Ort – ein Ort, der verheissungsvoll nahe über dem Horizont schwebt und doch in unerreichbarer Ferne zu liegen scheint.
(Nidwaldner Museum Winkelriedhaus)
