Von der Höhlenmalerei über das Kirchenfresko bis hin zum NFT – Kunst und Glauben sind schon immer verbunden . Heute wird gerne behauptet, Kunst habe die Religion ersetzt. Die Ausstellung «An die Kunst glauben» zeigt Gegenwartskunst, die sich mit diesem Spannungsfeld auseinandersetzt. Während die christliche Kunst die Menschen durch Bilder in ihrem Glauben stärken sollte, hat sich die Rolle der Kunst im 20. Jahrhundert gewandelt: Sie steht weniger für Glauben, als für Zweifeln, Hinterfragen und Differenzieren.
Im Spannungsverhältnis von Kunst und Glauben
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Eine Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau widmet sich dem Zusammenspiel von Religion und künstlerischem Schaffen.
Mit Werken von Marina Abramović, Stéphanie Baechler, Regula Baudenbacher, Ulrich Bleiker, Gabriela Gerber und Lukas Bardill, huber.huber, Hedwig (Hedi) Huser, Martyna Marciniak, Marlies Pekarek, Veronika Spierenburg und Judit Villiger.
An die Kunst glauben
Kunst selbst darf die Tore der Imagination weit öffnen – denn sie ist per Definition ein Raum der Freiheit. So zeigt die Ausstellung «An die Kunst glauben» auch, dass der Kunst eine spezifische Kraft und Bedeutung innewohnt, die keine andere Disziplin erfüllen kann. Und wenn man sich gelegentlich fragen mag, welche Relevanz sie angesichts der Weltlage noch hat, so liegt nicht zuletzt im Glauben an die Inspirationskraft eine Antwort. Kunst öffnet neue Räume und entwirft Gegenwelten. Wir könnten auch anders – bunter, vielfältiger, weiser – mehr fragend als behauptend, weniger den Zweck als den Sinn suchend.
Von Deep-Fake bis Webkunst
Die Ausstellung verbindet die Räume im Oberen Keller mit einer teilweise noch historischen Mönchszelle im Ostkreuzgang. In den verschiedenen Räumen wird das Thema in unterschiedlichsten Medien beleuchtet: Skulpturen aus Wachs, Stein oder Seife, Gemälde, Leuchtkasten, Textil und Videoinstallationen. Gezeigt werden Leihgaben wie die humorvolle Arbeit «Anatomy of Non-Fact» der international bekannten polnischen Künstlerin Martyna Marciniak. Sie untersucht das Deep Fake des Papstes in einem stylischen Rappermantel. Daneben finden sich auch Sammlungsbestände wie eine liebevoll bemalte Kirche aus Zement von Ulrich Bleiker oder die «Regenbogensteine» des Künsterduos huber.huber. Stêphanie Baechlers Jacquard-Textil verwebt unterschiedlichste Materialien und Bildelemente zu einem postmodernen Teppich, der Handarbeit und Hoffnung thematisiert.
Marina Abramović in der Ausstellung
Vertreten sind in der Ausstellung auch erstaunliche Neuzugänge in der Sammlung wie jene der unbekannten Hedi Huser, die jahrelang Madonnen zeichnete – sie lebte in einem Heim und steht für den Sammlungsschwerpunkt der so genannten Naiven oder «Outsiderkunst». Hingegen verarbeitete die St. Galler Künstlerin Marlies Pekarek das Röntgenbild einer Jahrhundertealten Madonnenstatue zu einem Leuchtkasten. Ein Highlight der Sammlung, die Videoskulptur «Cleaning the Mirror Nr.1» (1995) von Marina Abramović wurde anlässlich dieser Ausstellung wieder instandgesetzt. Eigens für die Ausstellung neu produziert das bekannte bündnerische Künstlerduo Gerber/Bardill die raumgreifende Mehrkanalvideoprojektion «Ofengeschichten», 2016/2026. Sie verlebendigt historische Ofenmalereien, wie sie auch in der Kartause Ittingen an vielen Orten zu finden sind, auf höchst innovative Weise. So verbinden sich in dieser Ausstellung Arbeiten zum Thema Spiritualität und Glauben mit der Frage nach dem Glauben an die menschliche Kreativität und Innovationskraft.

