Kelechi Amaka Madumere (*2000), Absolventin des Bachelorstudiengangs «Representation» an der HEAD in Genf, wurde unter anderem für ihre Installation «Down the rabbit hole, how to invest in a world that is not yours?» ausgezeichnet, die im CAN Centre d’art Neuchâtel im Rahmen von Plattform25 zu sehen war. Darin setzt sie sich mit kolonialen Machtstrukturen, rassistischer Gewalt und persönlichen Erfahrungen von Unterdrückung auseinander. Der Helvetia Kunstpreis ist ein Förderpreis für junge Kunstschaffende und ist mit 15 000 Franken dotiert.
Kelechi Amaka Madumere eröffnet einen Denkraum über Gewalt und Macht
Die Genfer Absolventin überzeugt mit ihrer Arbeit über koloniale Machtstrukturen und Ungleichheit und erhielt dafür den Helvetia Kunstpreis 2025.
Engagement für die Kunst
Der Helvetia Kunstpreis ist ein wesentlicher Teil des Kunstengagements der international tätigen Versicherungsgruppe. Der Preis wird seit 2004 jährlich verliehen. Zuerst unter dem Namen Nationale Suisse Kunstpreis, seit dem Zusammenschluss von Helvetia und Nationale Suisse nun bereits zum elften Mal als Helvetia Kunstpreis. Helvetia, die auch Kunst versichert, verfügt über eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Schweizer Kunst mit einer über 80-jährigen Geschichte. Die Sammlung konzentriert sich auf Malerei, Zeichnungen und Fotografie. Seit 2015 verfügt Helvetia ausserdem mit dem Helvetia Art Foyer am Hauptsitz in Basel über einen eigenen, für die Öffentlichkeit zugänglichen Ausstellungsraum. In diesem werden entweder thematische Ausstellungen, die Werke der eigenen Sammlung einschliessen, oder Solopräsentationen von Künstler:innen gezeigt.
Gewalt als eingeschriebene Erfahrung
In ihrer künstlerischen Praxis verhandelt Kelechi Amaka Madumere die vielschichtigen Verflechtungen von Gewalt, Kindheit und gesellschaftlichen Machtstrukturen. Ausgehend von eigenen Erfahrungen gelingt es ihr, persönliche Narrative mit kollektiven Realitäten zu verweben. Dabei thematisiert sie sowohl häusliche als auch systemische Gewalt und zeigt, wie sich Unterdrückung in Körpern, Materialien und Räumen einschreibt. In ihren Installationen, Zeichnungen und Objektarbeiten übersetzt Madumere komplexe Emotionen wie Schmerz, Ohnmacht und Zärtlichkeit in eine präzise Materialsprache. Sie arbeitet bevorzugt mit gebrauchten und vermeintlich wertlosen Fundstücken – Dingen, die bereits Spuren der Vergangenheit tragen. Diese behandelt sie mit grosser Fürsorge, als wolle sie das Zerbrochene heilen, ohne dessen Brüche zu leugnen.
Sinnbilder kolonialer Macht
Für Plattform25 hat Madumere die raumgreifende Installation «Down the rabbit hole, how to invest in a world that is not yours?» geschaffen. Im Zentrum steht ein überdimensionales Schachbrett, das als Bild für asymmetrische Spielregeln dient, die aus kolonialen Machtverhältnissen hervorgegangen sind und bis heute fortwirken. Die Installation arbeitet mit gegensätzlichen Figurengruppen: Individuell gefertigte Stoffpuppen, die Schwarze Körper repräsentieren, stehen glatten, gesichtslosen Symbolträgern aus Plexiglas und weiss bemaltem Kunststoff gegenüber. Während die Stoffpuppen Verletzlichkeit, Widerstand und Eigenständigkeit verkörpern, verweisen Flaggen, Logos und keltische Kreuze auf ein System institutionalisierter Macht, das auf Kontrolle, Ausbeutung und Abgrenzung basiert.
Dialog ohne Moralismus
Madumere gelingt es, komplexe Themen wie rassistische Gewalt und Missbrauch eindringlich zu verhandeln, ohne dabei moralisierend zu wirken. Vielmehr eröffnet sie mit jedem Element ihrer Installationen einen vielschichtigen Diskurs, der Geschichte, Identität und gesellschaftliche Machtverhältnisse sichtbar macht. Mit grosser formaler Klarheit und erzählerischer Dichte schafft die Künstlerin eine Szenerie, die berührt und aufrüttelt. Gleichzeitig fordert sie das Publikum zur eigenen Positionierung auf, ohne sich in didaktischen Gesten zu verlieren. Material, Symbol und Geste treten in einen Dialog, der weit über die eigentliche Arbeit hinausweist.
