Ausstellungen
«Kubus 24-021 ROTEWAND» von Thom Barth | © Kunstraum und Autoren, 2021

Kunstraum Kreuzlingen | Thom Barth | Kubus 24-021 ROTEWAND

Bilder von Welt oder die Bilder, die wir als Welt verstehen und die Weltbilder machen.

Sichtbar ist: Eine weitläufige Wand, deckenhoch. Schichten aus roten Montagefolien übereinander mit verschiedenen Belichtungen. Erkennbar sind Motive von Menschen, lachend, weinend, mit Sommerhut und ohne, dann Tiere, Kalenderbilder, Werbebilder zusammengefasst. Barths Methode: Auf Folie verbinden sich bestehende Bilder zu einem neuen Objekt: rot + Wand wird ROTEWAND, ein neues Produkt.

Spuren von Bildern

Durch den Prozess fortwährender Vergrösserung und Kopie entstehen Farbmuster, langgezogene schwarze Flecken, die an animalische Prints erinnern. Der aktuelle Augenblick (der Blick, den wir auf die Wand werfen) basiert auf Spuren und Ergebnissen von anderen Bildern. A Stream of Life. Inhalte überlagern und verselbstständigen sich. Dazu: Eine übermenschengrosse Kiste, vielleicht eine Hütte, bewohnt vom Geist des unbewohnten? Ein Kubus allemal. In einiger Höhe über dem Boden gelagert, mit eigenem Boden, gleich doppeltem Boden. In jedem Fall äusserlich. Aber das Aussen sagt nicht, was drinnen vor sich geht. Erkenntnisverspechen ohne Erkenntnis. Die Lust am Rätsel. On voit voir.

Spiegelbild und Scheinbild

Wie funktioniert Wahrnehmung? Wie wird Gegenwart geformt? Und was ist Vergangenheit? Barths Installation ist eine Reflexion über den Wahrnehmungsprozess selbst und das Erinnerungsbild, das im Wahrnehmungsprozess verwandelte Abbild der Realität. Erinnern ist permanentes Konstruieren. Zwischen uns und der Welt gibt es immer einen Modus der Betrachtung, der uns selbst sagt, was und wie und woher und warum. Wir navigieren uns zwischen Spiegelbild und Scheinbild, und denken zu verstehen, einzuordnen, weiterzutragen. Und denken’s so, dass es uns nutzt. Aber nicht alles, was sichtbar ist, ist auch verstehbar oder eher, bietet eine einfache Antwort, da drinnen im Aussen. Verstehen ist ein innerer Prozess, ein Kompromiss zwischen den Interessen. Barths Arbeiten zeigen dies: Sie sind visuelles Angebot, ausgestelltes Fragezeichen ohne offerierte Lösung. Der Betrachter wird exemplarisch auf sich selbst zurückgeworfen, die erlösende Selbsterkenntnis kann, muss aber nicht.

Text: Thom Barth/ Barbara Marie Hofmann, 2021

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