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Kunstmuseum Thurgau | Der Himmel brennt am Horizont

Für die Schweizer Bevölkerung war die Situation während des 2. Weltkriegs nicht einfach. Die Ausstellung «Der Himmel brennt am Horizont» wirft ein Schlaglicht auf diese Zeit und zeigt, wie Kunstschaffende mit der schrecklichen Wirklichkeit des Kriegs umgingen.

Kunst in der Ostschweiz im Bann des 2. Weltkriegs
Der Ausstellungstitel «Der Himmel brennt am Horizont» ist einem Landschaftsbild von Adolf Dietrich entlehnt. Bei der 1939 entstandenen Abendstimmung schweift der Blick über den Untersee. Der Himmel ist fast schwarz. Nur über dem deutschen Ufer scheint der Horizont in Flammen zu stehen. Selbst wenn Dietrich lediglich eine winterliche Gewitterstimmung malte, so liegt es nahe, den gleissenden Himmel als ein Fanal für kommenden Schrecken und Zerstörung zu lesen.

Verbildlichung schwieriger Zeiten
Im Werk vieler Künstlerinnen und Künstler spiegelt sich direkt oder indirekt die bedrohliche Stimmung. Hedwig Scherrer oder Frans Masereel engagierten sich mit ihren Werken schon vor dem Ausbruch des Kriegs gegen den sich abzeichnenden Wahnsinn. Robert Wehrlin, der den Krieg in einem Aussenbezirk von Paris überlebte, reagierte in Zeichnungen, grafischen Blättern und Gemälden ganz direkt und bissig auf die kriegerischen Ereignisse: sein Glück, dass diese Werke bis Kriegsende niemand sah! Ernst Graf verarbeitete in seinen Aquarellen die Schrecken des Flüchtlingselends und die Zerstörung des Menschbilds durch den Krieg.

Karikaturen und dunkle Farben
Nicht bei allen Künstlerinnen und Künstlern zeigte sich eine unmittelbare inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Kriegsthema. Die Einschränkungen des Alltagslebens und die Gedrücktheit der Stimmung fanden aber indirekt Eingang in die Bilder. Die Farbpalette des jungen Carl Walter Liner färbte sich während des Kriegs dunkel, und im Werk von Carl Roesch verschwanden die fröhlichen Badebilder der Dreissigerjahre und machten Platz für behäbige Bauernmotive und traditionelle Ausblicke in die nächste Umgebung. Einen unmittelbaren Einblick in den Alltag der Schweizer Bevölkerung geben Fotografien von Hans Baumgartner und Theo Frey. Karikaturen aus dem Nebelspalter von Bö, dem Appenzeller Carl Böckli, sowie eine Serie von Porträts von wichtigen Persönlichkeiten aus der damaligen Kulturwelt von Ernst Emil Schlatter runden das Bild des Ostschweizer Alltags in den Kriegsjahren ab. Die Ausstellung «Der Himmel brennt am Horizont» ist mehr Stimmungsbild denn Dokumentation. Sie will und kann keinen umfassenden Überblick geben, sondern lässt anhand von Einzelpositionen aus der Ostschweiz lediglich aufscheinen, wie diffus und schwierig die Zeit damals gewesen sein muss.

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