Kunstmuseum Basel | Der figurative Pollock

Jackson Pollock ist Ende der 50er Jahre über Nacht zum Idol der abstrakten Kunst geworden, die als Metapher für das freiheitlich-demokratische Amerika propagiert wurde. Erstmals zeigt das Kunstmuseum Basel jetzt das viel weniger bekannte figurative Werke, das der Maler davor geschaffen hat.

Figuren aus dem Unbewussten
«Wenn man aus dem Unbewussten heraus malt, müssen zwangsläufig Figuren hervortreten», betonte Jackson Pollock 1956 in einem berühmten Gespräch mit Selden Rodman. Mit dem amerikanischen Maler verbindet man jedoch üblicherweise die abstrakten drip paintings. Das umfangreiche figurative Werk, das er davor schuf, und die figurativen Gemälde, in welche die «dripping»-Phase mündete, sind dagegen viel weniger bekannt. Die grosse Sonderausstellung im Kunstmuseum Basel widmet sich erstmals dieser Perspektive auf den Künstler und wirft einen neuen Blick auf sein knapp drei Jahrzehnte umspannendes figuratives Werk.

Geprägt von den mexikanischen Muralisten
In den verschiedenen Phasen des Frühwerks verarbeitete der Künstler den Regionalismus seines Lehrers Thomas Hart Benton, rezipierte aber auch die grosse Kunstgeschichte mit El Greco, Michelangelo, Rembrandt und den Meistern des italienischen Barocks. In den folgenden Jahren geriet die europäische Moderne in Pollocks Blickfeld, vor allem Pablo Picasso, an dem er sich geradezu abarbeitete. Genauso fand in Pollocks Werk aber auch das Studium der Kunst der nordamerikanischen Ureinwohner seinen Niederschlag. Entscheidend prägten ihn zudem die grossen, in den 1930er- und 1940er-Jahren von den mexikanischen Muralisten geschaffenen Wandbilder. David Alfaro Siqueiros, José Clemente Orozco und Diego Rivera, denen er auch persönlich begegnet war, veränderten Pollocks Vorstellung von Figuration.

Bewusst gesetzte Leerstelle
Die Ausstellung gewährt einen repräsentativen Überblick über Pollocks künstlerische Entwicklung als figurativer Maler. Die grossformatigen drip paintings, entstanden in der kurzen Zeitspanne zwischen 1947 und 1950, werden im Ausstellungskontext nur angedeutet. Das Fehlen dieser berühmten Gemälde bildet eine bewusst gesetzte Leerstelle, die es ermöglicht, die Kontinuität zwischen den oftmals marginalisierten Werken der 1930er- und 1940er-Jahre und den bekannten grossformatigen Bildern der 1950er-Jahre unmittelbar nachzuvollziehen. So wird eine eindrucksvolle Gruppe der aus der «dripping»-Phase hervorgegangenen black and white paintings gezeigt sowie die letzten Werke der 1950er-Jahre, die permanent um die Frage der Figur kreisen.

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