Kunsthaus Glarus | Thomas Julier

Der Schweizer Künstler Thomas Julier untersucht in seinen Werken die Beschaffenheit zeitgenössischer Bildwelten. Seine Filme und Fotografien stehen stets in Abhängigkeit zu den Verfahren. Seine jüngste Arbeit «Hunter in the Void» handelt vom medial konstruierten Blick auf das Tier.

Abwesende Kunstfiguren
Im Zentrum von Thomas Juliers erster institutioneller Einzelausstellung in der Schweiz steht eine Installation mit Bezug zur modernistischen Architektur des Kunsthaus Glarus: Das Haus ist umgeben von Kameras, die mit Bewegungssensoren versehen sind und einen Feedback-Loop bilden. Die Idee des Künstler ist es, mit Futter Tiere in die Nähe dieser – innerhalb und ausserhalb des Kunsthauses platzierten – Kameras zu locken. Da die Kameras mit einem System verbunden sind, welches bei Bewegungsaktivität ein Video aufzeichnet, lösen die angelockten Tiere also quasi Selfies aus. Im Oberlichtsaal des Kunsthauses werden die Livestreams dieser zu Bildfallen werdenden Kameras projiziert. «Hunter in the Void» geht von Perspektiven des Beobachters und des Beobachteten aus. Perforationen in den Glasscheiben machen das Gebäude durchlässig und damit für Tiere während der gesamten Ausstellungsdauer begehbar. Das Kunsthaus wird zur Kamera-Apparatur, die Tiere zu abwesenden Kunstfiguren, deren Körper und damit ihr eigentliches Wesen sich dem Betrachter entzieht.

Kunsthaus passt sich zeitlich der Tierwelt an
Licht spielt eine zentrale Rolle in «Hunter in the Void». Die einzige Beleuchtung der Ausstellung bilden die Projektionen sowie die für den Betrachter nur in der Übertragung sichtbare Infrarot-Beleuchtung der Köder. Die Kameras dieses Systems sind so manipuliert, dass sie das für menschliche und tierische Augen unsichtbare Infrarotlicht im Raum registrieren, nicht aber das Tageslicht. «Hunter in the Void» ist eine Versuchsanordnung der Interaktion zwischen Tier und Kamera, die in einem bestimmten Tagesrhythmus stattfindet. Dafür greift Thomas Julier in den gewohnten Rhythmus des Kunsthauses ein: Er verändert die normierten Öffnungszeiten des Museums und passt sie dem Sonnenstand an. Das Kunsthaus ist täglich jeweils zwei Stunden vor bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang und damit während der Dämmerung geöffnet.

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