Mit über 400 Werken besitzt das Kunstmuseum Thun einen der bedeutendsten Nachlässe von Hans Gerber (1910–1978). Die letzte Einzelausstellung in Thun fand 1980 statt; mit der neuen Ausstellung zeigt das Kunstmuseum nun eine Gegenüberstellung der Sammlungswerke mit Arbeiten der Basler Künstlerin Sabine Hertig (*1982). Die Ausstellung soll zeigen, wie sich die Collage – von Gerbers präziser Formensprache der 1950er-Jahre bis hin zu Hertigs kritischen Bildwelten – immer wieder neu erfindet.
Hans Gerber und Sabine Hertig – oder die Wandelbarkeit der Collage
- Publiziert am 11. August 2026
Hans Gerber (*1910 in Steffisburg, +1978 in Buchillon) war ein Schweizer Bildhauer, Collagist und Zeichner. Nach Studien- und Arbeitstationen in der Schweiz und in Deutschland, zog er 1950 mit seinem Lebensgefährten, Schriftsteller, Aquarellist und Zeichner Hans Walter an den Genfersee. Dort wandte er sich von der figürlichen Skulptur ab und widmete sich ab 1954 der Collage, die er bis zu seinem Tod variantenreich weiterentwickelte.
Sabine Hertig (*1982 in Basel) ist eine zeitgenössische Schweizer Künstlerin, die vor allem im Medium der Collage arbeitet. Sie studierte Kunst und Vermittlung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. Seit 2013 wird sie von der Galerie Stampa in Basel und seit 2022 von der Galerie C in Paris vertreten. Sie erhielt zahlreiche Preise, darunter den Prix Alfred Latour de l'éveil, den Förderbeitrag der UBS Kulturstiftung und den Kulturpreis der Gemeinde Riehen.
Die Wiederentdeckung der Collage
Was in den 1910er-Jahren als avantgardistische Praxis des Ausschneidens und Zusammenfügens begann, entwickelte sich seit den 1960er-Jahren weit über die klassische, leimbasierte Technik hinaus. Heute dient die Collage auch als kritisches Medium zur Reflexion der Wirklichkeit und ihrer massenmedialen Darstellung. Sie geniesst in einer globalisierten Welt, die sich im Bereich der Raumplanung, Gesellschaft und Arbeit zunehmend fragmentarisiert, also eine neue Aktualität.
Umfassende Werkübersicht
In der Ausstellung «Schnittstellen der Sicht. Hans Gerber und Sabine Hertig» verbindet das Kunstmuseum Thun zwei Positionen, die sich auf überraschende Weise begegnen, obwohl sie unterschiedlichen Generationen und künstlerischen Kontexten angehören. Die Idee für die Gegenüberstellung entstand aus dem Wunsch der Kuration (Cornelius Krell und Anja Seiler) heraus, Hans Gerbers Werk neu zu betrachten. Seit mehr als vierzig Jahren sei sein umfangreiches Werk nicht mehr wissenschaftlich aufgearbeitet worden. Durch die Schenkung seines Lebenspartners Hans Walter gelangten bereits in den 1980er-Jahren zahlreiche Arbeiten in die Sammlung des Kunstmuseums Thun – von frühen Werken bis hin zu späten Schaffensphasen.
Begegnung zweier Bildwelten
Der in Steffisburg geborene Hans Gerber setzte sich in den 1950er-Jahren intensiv mit der Collage auseinander. Er verstand sie zunächst als eine Erweiterung seiner bildhauerischen Praxis. In seinen Arbeiten lassen sich mehrere Themen und Phasen entdecken, doch sein Ansatz bliebt stets kontrolliert und formal durchdacht. Seine Werke zeichnen sich durch eine klare, oft streng komponierte Bildsprache aus. Die in Basel lebende Künstlerin Sabine Hertig ist dagegen vor allem für ihre grossformatigen, detailreichen und zu grossen Teilen schwarz-weissen Collagen bekannt. Von der Malerei kommend, arrangiert sie Tausende von Zeitungsausschnitten und Magazinschnipseln zu dichten, oft surrealen Bildlandschaften, die bei den Betrachter:innen Staunen und Irritation auslösen können. Aus der Ferne wirken ihre Arbeiten wie malerische Szenen, aus der Nähe offenbart sich ein vielschichtiges Geflecht von Einzelteilen. (Kunstmuseum Thun)
