Die reduzierten Interieurs, stillen Stadtansichten und fein abgestuften Farbwelten des dänischen Malers Vilhelm Hammershøi (1864–1916) gehören zu den eindringlichsten Bildschöpfungen der europäischen Moderne und machen den als «Vermeer des Nordens» bezeichneten Künstler zu einer Schlüsselfigur der dänischen Kunstgeschichte. Eine Ausstellung für alle, die unaufgeregte aber hochwertige Malerei lieben.
Der Klang der Stille
- Publiziert am 2. Juli 2026
Das Kunsthaus Zürich widmet Vilhelm Hammershøi die erste umfassende Museumsausstellung der Schweiz.
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog. Ergänzt wird die Show im Kunsthaus Zürich durch öffentliche Führungen sowie ein Filmprogramm im ARTHOUSE Kino Piccadilly mit THE DANISH GIRL, A PIGEON SAT ON A BRANCH REFLECTING ON EXISTENCE und THE ROYAL TENENBAUMS.
Räume voller Präsenz
Hammershøis Gemälde zeigen leere Zimmer, verlassene Plätze oder lichtdurchflutete Interieurs. Figuren – häufig seine Frau Ida – erscheinen oft nur von hinten. Statt Geschichten zu erzählen, richtet sich der Blick auf Raum, Licht und Atmosphäre. Gerade diese Reduktion verleiht seinen Bildern ihre besondere Intensität: Ein leerer Stuhl, ein Teller oder ein Bild an der Wand entwickeln eine überraschende Präsenz. Der Schriftsteller Heimito von Doderer sprach in diesem Zusammenhang vom «möbelhaften Schweigen» der Dinge – ein Ausdruck, der Hammershøis Bildwelt treffend beschreibt.
Die Kunst der feinen Nuancen
Hammershøis Malerei lebt von subtilen Abstufungen gedeckter Farben, sanften Lichtverhältnissen und minimalen Veränderungen innerhalb wiederkehrender Motive. Diese Konzentration auf das Wesentliche schärft den Blick der Betrachtenden und macht die Wahrnehmung selbst zum Thema.
Obwohl Hammershøi oft als zurückgezogen beschrieben wird, stand er im Austausch mit internationalen Strömungen seiner Zeit. Besonders der amerikanische Maler James McNeill Whistler beeinflusste ihn mit seinen harmonischen Farbarrangements und reduzierten Kompositionen. Auch Vergleiche mit Félix Vallotton drängen sich auf: Beide verbindet eine eigenständige Farbpalette und das Interesse an stillen, bisweilen unheimlichen Stimmungen.
Stille als Klangraum
Der Ausstellungstitel verweist auf die enge Beziehung zwischen Hammershøis Malerei und der Musik. In vielen Werken erscheinen Instrumente wie Cello, Klavier oder Geige; auch biografisch spielte Musik eine wichtige Rolle, Hammershøi selbst war Amateurcellist. Seine Bilder vermitteln keine lautlose Leere, sondern eine gespannte Ruhe – wie der Augenblick unmittelbar vor dem ersten Ton eines Konzerts.
Neben den berühmten Interieurs präsentiert die Ausstellung auch Porträts, Stadtansichten und Landschaften. Einzelne Werke von Jacobus Vrel, Adolph Menzel und Michaël Borremans erweitern den Blick auf das Thema der Stille über verschiedene Epochen hinweg. Kuratiert wurde die Ausstellung von Jonas Beyer und Sandra Gianfreda in Kooperation mit dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid.




